Wird 2017 ein Jahr der Aktien?

Wenn Trump mit Steuerrabatten winkt

Vor ein paar Tagen habe ich gelesen, dass sich Oliver Bäte, Konzernchef der Allianz, über die Pläne des neuen amerikanischen Präsidenten geäußert hat. Diese seien für sein Unternehmen gut, meinte er, da ihm dadurch Steuerersparnisse entstünden. Mit dieser Sicht der Dinge steht Oliver Bäte nicht alleine. Viele der sogenannten „Wirtschaftsführer“ haben dies bereits ähnlich argumentiert. Und was schließen wir aus dieser Feststellung? Dass die Allianz ein Kauf sind und der Aktienmarkt – zumindest der mit den USA verbundene – weiter nach oben tendieren wird?

Ist die Allianz nun ein Kauf?

Menschen wie Oliver Bäte äußern sich nicht ohne Hintergedanken in der Öffentlichkeit. Natürlich werden die Aktien der Allianz von den in Aussicht stehenden Steuererleichterungen profitieren. Gut möglich, ja sicher, dass sich dies auch auf den Aktienkurs niederschlagen wird. Doch ist das für Sie als Anleger tatsächlich ein Kaufsignal?

Eher nicht. Denn der Allianz stehen, wie allen Versicherungsunternehmen auf dieser Welt, schwere Zeiten bevor. Sie leiden unter den weiterhin schwachen Ertragsmöglichkeiten am langen Ende. Das bedeutet, dass sie ihre langfristigen Verpflichtungen nicht durch langfristig berechenbare Anlagen absichern können. Früher oder später wird das dazu führen, dass der Gap zwischen Verpflichtungen und Erträgen zu einem existentiellen Problem wird. Nicht nur bei den kleinen Gesellschaften, sondern auch bei den dicken Fischen, zu denen die Allianz zweifellos gehört.

Mit anderen Worten: Steuern sind aus Sicht eines Versicherers zukünftig das kleinste Problem.

Ein Konzernleiter wird nicht für die Wahrheit bezahlt

Für einen Vorstandsvorsitzenden ist jedoch die Entwicklung der Aktienkurse wichtig: für sein Vermögen (schließlich hält er selber Aktien), für sein Einkommen (so wichtige M eschen wie ein Vorstandsvorsitzender werden ja nicht für ihre Arbeit, sondern für „ihre“ Leistung bezahlt), für seinen Job (wenn der Aktienkurs abschmiert, sieht das nicht gut aus mit der anstehenden Vertragsverlängerung) und für sein Renommee/Ego (als Vorstandsvorsitzender abberufen zu werden ist für einen Vorstandsvorsitzenden deutlich schlimmer, als ein paar Kröten weniger auf seinem Konto zu wissen). Deshalb freut er sich über jede noch so kleine gute Nachricht, um seiner Aktie einen zusätzlichen Schub zu geben.

Was nun – ist Donald Trump nun gut für die Börse oder nicht?

Noch sitzt der große Donald nicht im Sattel. Deshalb ist noch völlig unklar, ob all die Wunderdinge, welche er angekündigt, hat auch tatsächlich umgesetzt werden. Und ob die dann die erhoffte Wirkung zeigen, ist erst recht völlig offen. Daran ändert auch nichts, dass der zukünftige Präsident bereits seit Wochen dafür sorgt, dass sich das amerikanische Top-Management im Speichellecken geradezu überbietet. Solche Liebesbekundungen haben nur eine kurze Verfallsdauer.

Wesentlicher ist, dass Donald Trump vermutlich bereits eine Lawine losgetreten hat, welche kaum mehr zu stoppen ist: Protektionismus und Nationalismus in Reinkultur. Denn bisher waren die USA führend darin dafür zu sorgen, dass sich die Weltmärkte öffnen und ein weltweiter Handel ohne Hemmnisse möglich ist. Fällt dieser Druck nun weg (bzw. wird er unglaubwürdig), dürfte das für die Wirtschaft kaum förderlich sein.

Die Märchenstunde ist bald vorbei – jetzt zählt das reale Leben

Politisch gesehen hat das durchaus seinen Reiz: Wenn der Wohlstandsgewinn der Globalisierung dahinschmilzt, dürfte der Vorteil des freien Handels spürbar werden. Zumindest für jene, welche im Zuge von der Erhöhung von Importzöllen ihre Arbeitsstelle verlieren. So manch einer bei BMW wird sich danach vielleicht überlegen, ob die AfD tatsächlich die richtige Wahl ist …

Wirtschaftlich ist die aktuelle Entwicklung in den USA jedoch verheerend. Nicht nur, weil eine Einschränkung des freien Handels Wohlstand zerstören wird.

Was wir gerade erleben, ist eine unglaubliche Welle von Unsicherheit. Bereits die Ankündigung von Protektionismus führt dazu, dass notwendige Investitionen ausbleiben. Bleiben jedoch Investitionen aus, hat dies nicht nur Bedeutung für die Zulieferer, sondern auch für Unternehmen. Ohne Investitionen verlieren die nämlich laufend an Wettbewerbsfähigkeit (besonders im Vergleich zu Unternehmen, welche in einer staatlich gelenkten Marktwirtschaft leben). Viele Unternehmen – gerade in Deutschland – schaufeln sich in dieser Beziehung gerade ihr eigenes Grab.

Kein Unternehmen lebt von eingesparten Steuern. Gesellschaften schon gar nicht

Natürlich profitieren Unternehmen wir die Allianz von wegfallenden Steuern. Aber ist das ein Gewinn? Und wenn ja, für wen? Die Staaten – allen voran die USA – geraten mehr und mehr unter den Druck eines Steuerwettkampfes, den sie nicht gewinnen können. Ausbleibende Einnahmen werden nicht nur die soziale Sicherheit in den betreffenden Staaten gefährden, sondern Bildung, Infrastruktur, Forschung und Entwicklung. Ob das die Basis für langfristig erfolgreiche Entwicklung der Wirtschaft ist?

Kommt dazu, dass Trump nicht der einzige Verrückte im aktuellen Politzirkus ist. Werfen wir ein Auge auf unsere Freunde jenseits des Kanals, wird einem Angst und Bange.

 Was geschieht, wenn der Motor ins Stottern gerät?

Alles Dinge, die geeignet sind, die Mutter aller Probleme wieder ins Zentrum unseres Bewusstseins zu rücken: die Schuldenkrise. Die ist nämlich keineswegs vorbei, gelöst oder bewältigt, sondern dank der gütigen Hilfe der Notenbanken lediglich in die Zukunft verschoben worden. Wenn sie uns aber dereinst demnächst wieder vor die Füße fällt, wird nicht nur die Wirtschaft im Gegensatz zum Jahr 2009 nicht mehr in blühender Form sein. Auch der Staat hat seine besten Tage längst hinter sich, ist ausgemergelt und bar jeder Reserve.

Gut möglich, dass es gerade die heranziehende Wirtschaftsflaute sein wird, welche das Unvermeidliche auslösen wird: there is no such thing as free lunch. Die offenen Rechnungen der Vergangenheit müssen beglichen werden.

Sind Sie immer noch sicher, dass die Ideen und Pläne von Donald Trump eine gute Sache sind?

Wenn ein Oliver Bäte seinen Gefallen an den Ideen des Bautycoons findet, weshalb sollte die Sache wohl schief laufen? Weil „Wirtschaftsführer“ sich noch nie durch ihr Gespür für das Ganze ausgezeichnet haben. Sie sind Marktschreier in eigener Sache. Man kann ihnen nicht vertrauen. Niemals.

Es war beileibe kein Zufall, dass Wirtschaftsführer in den 30er Jahren den wahnsinnigen Visionen des Führers weltweit Anerkennung zollten. Solange sie ihren Schnitt machen, sind sie gerne bereit Kompromisse (zulasten anderer) zu machen. Das ist heute nicht anders.

Der Trumpboom wird bitter enden

Mag sein, dass die Allianz von tieferen Steuern und Heidelberger Zement von Großaufträgen an der mexikanischen Grenze profitieren. Daraus zu schließen, die Weltwirtschaft würde von Trump profitieren, ist zumindest sehr gewagt. Das Gegenteil dürfte wahr sein.

Zwar ist es sehr gut möglich, dass sich die führenden Kräfte der Weltwirtschaft in den nächsten zwei, drei Jahren schamlos am amerikanischen Volksvermögen bedienen werden, aber diese Entwicklung ist das Gegenteil von nachhaltig (und bitte verbinden sie das Wort hier nicht im ökologischen Sinne). Es ist nicht besonders mutig, wenn ich hier behaupte, dass der Trumpboom ein Strohfeuer sein wird, an dessen Ende der König ohne Kleider dastehen dürfte.

Genau das macht eine Anlageempfehlung aktuell so schwierig. Es ist sehr wahrscheinlich, dass kurz- bis mittelfristig mit Aktien noch richtig Geld verdient werden kann. Allerdings war die Luft bereits vor Trump schon sehr dünn. Jetzt, da mit holzschnitzartigen Retro-Rezepten Politik betrieben wird (bei Weitem nicht nur von Trump), dürfte die Wahrscheinlichkeit eines fundamentalen Crashs wesentlich gestiegen sein.

Setzen Sie Stop-Loss-Limiten

Deshalb gilt: Wer nicht Opfer der aufkeimenden Inflation werden will, kommt an Aktien nicht vorbei. Allerdings sollte man tunlichst darauf achten die Limiten zur Sicherung des Vermögens im Auge zu behalten und stets nachzuziehen. Wer diesen Rat außer Acht lässt, dürfte eher früher wie später heftig für seine Unvorsichtigkeit bestraft werden.

Daniel S. Batt
Dipl. Finanzplaner FA (FH)
Geschäftsführer

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