Vermögensverwalter rechnen sich nicht

Falsche Erwartungen an die Vermögensverwaltung

Es gehört zu den faszinierendsten Phänomenen des Kapitalismus, dass ausgerechnet jene Berufsgruppen am meisten Geld verdienen, welche nüchtern betrachtet nichts zur Wertschöpfung beitragen: Banker, Vermögensverwalter, Anwälte, etc. Weshalb macht sich hier kein Wiederstand breit? Weil Richard Thaler Recht hat: Wir handeln nicht rational. Zeit für einen kleinen Klapps hinter die Ohren.

Der wirtschaftlich rational handelnde Mensch ist tot!

Ich kann das Nobelpreiskomitee für seine Wahl nicht oft genug loben: Wenn einer den Nobelpreis für Wirtschaft verdient, dann Richard Thaler. Er rechnet ab. Eigentlich mit uns allen. Ausnahmslos. Wir sind nicht so berechnend und verlässlich, wie wir gerne tun. Wir suchen im Kopf nach Argumenten für unsere Entscheidungen, welche wir im Bauch längst gefällt haben.

Bei aller Zivilisation, welche wir so gepflegt zur Schau stellen, sind wir im Grunde doch immer noch von Instinkten getriebene Wesen (um nicht Tiere zu sagen…).

Der Urinstinkt, welcher uns bereits als Baby prägt, ja vermutlich sogar das Überleben sichert, ist die Angst im Leben zu kurz zu kommen. Und uns dagegen zu wehren.

Von Kapitalanlagen und Geld versteht die Mehrheit wenig

Zahllose Studien zeigen immer wieder, dass wir eigentlich nichts über Geld wissen. Der Wissenstand bezüglich Geldangelegenheiten weist schwerwiegende Lücken auf. Zumindest bei der Mehrheit der Bevölkerung. Und das unabhängig von sozialem Status, Bildungsniveau und beruflichem Erfolg. Die Schwierigkeit liegt darin, dass die meisten dieser Menschen das weder weiß, noch zugeben kann.

Diese Bildungslücke und der Umgang damit, macht andere Menschen reich. Zum Beispiel Vermögensverwalter.

Es gibt vermutlich nicht eine einzige Studie, welche beweisen würde, dass sich ein Vermögensverwalter im Vergleich zu einer passiven Vermögensverwaltung rechnet. Natürlich gibt es kurzfristige Ausreißer nach oben, aber auf lange Frist können die aller-allermeisten Vermögensverwalter ihre Kosten nicht wieder einspielen.

Vermögensverwalter sind die Maden im Speck

Trotzdem gibt es Vermögensverwalter wie Sand am Meer. Sie protzen nicht nur mit fetten Büros an edler Lage, sie sind auch privat meist auf Luxus gebürstet. Und das, obwohl sie wie gesagt weder Wertschöpfung betreiben, noch eine Nettorendite erzielen, die auf ihre Kappe geht.  Wie ist das möglich?

Wegen dem besagten Urinstinkt, der verhindern soll, dass die Welt einen vergisst. Dass man trotz fettem Bankkonto und monatlichem Einkommensüberschuss am Ende zu kurz kommt.

Vermögensverwalter stehen also für das Bedürfnis am Erfolg der Wirtschaft angemessen beteiligt zu werden. Und angemessen bedeutet immer überdurchschnittlich. Schließlich leistet man für die Firma, die Familie, die Gesellschaft, ja die Welt auch Überdurchschnittliches!

Ich übertreibe. Allerdings weitaus weniger, als Sie vielleicht denken.

Vermögensverwalter spielen genau mit diesem Gefühl. Sie versprechen Sicherheit und überdurchschnittliche Rendite. Und zielen damit genau auf jene Punkte, welche Sie mit dem Hirn nicht mehr steuern können: Angst und Gier.

Haben Sie sich das schon einmal gefragt?

Hätten Sie in Vermögensfragen Ihren Geist unter Kontrolle, würden also rational entscheiden, kämen Sie vermutlich zu einem anderen Ergebnis:

  • Es gibt KEINE Kapitalanlagen ohne Risiko
  • Wenig Risiko wird mit wenig Rendite bestraft
  • Überdurchschnittliche Rendite gibt es nur in Ausnahmefällen. Und Ausnahmefälle sind nicht planbar.
  • Womit bezahlt der Vermögensverwalter wohl sein protziges Büro und seinen großkotzigen Lebensstil?

Zum Mitschreiben

Vermögensverwalter sind durchs Band einfach nur Angeber. Die einen, weil ihnen Prahlerei im Blut liegt. Die anderen, weil sie sich ihrer eigenen Unzulänglichkeit nicht bewusst sind. So oder so versprechen Sie Dinge, welche sie auf Dauer nicht beherrschen können.

Renditen werden nicht von Vermögensverwaltern gemacht, sondern von den Märkten. Eigentlich von der Leistung vieler Firmen im Hintergrund. Und von den Notenbanken, welche durch die Geldschwemme die Sachwerte nach oben treiben. Auf keinen Fall aber durch Vermögensverwalter.

Eine aktive Vermögensverwaltung (auf der Basis von Wertpapierhandel) lohnt sich deshalb nicht. Es reicht, wenn Sie einfach den Flow der Märkte nachvollziehen. Das geht mit ETF Fonds ganz einfach. Und kostengünstig. Aber nicht ohne Risiko, denn es gibt keine Kapitalanlagen ohne Risiko!

Vermögensverwalter rechnen sich nicht

Trotzdem kann es sich lohnen einen Vermögensverwalter einzusetzen. Etwa dann, wenn Sie einfach keine Lust haben, die Administration der Vermögensverwaltung selber zu machen. Oder wenn Ihnen das Wissen fehlt, den richtigen ETF zu finden.

Aber unter uns gesagt: Dafür brauchen Sie keinen Nobelpreis-Gewinner. Und sie sollten ihn darum auch nicht wie einen bezahlen. Es ist ein Dienstleister, welcher eine wichtige Funktion ausübt. Im Grunde ist er nicht wichtiger wie Ihr KFZ Mechaniker. Dem vertrauen Sie nämlich nicht nur ihr Vermögen, sondern ihr Leben an.

Aber eine Finanzplanung rechnet sich sehr wohl

Viel wichtiger wie die Vermögensverwaltung ist die Finanzplanung. Und das sage ich nicht nur deshalb, weil ich Finanzplaner bin…

Eine solide Finanzplanung erlaubt es Ihnen nämlich passiv mit dem Märkten mitzuschwimmen. Es zeigt Ihnen Ihre Risikofähigkeit. Sie sehen, welche Fristen Sie bei den Anlagen einhalten können. Dies wiederum ist die Basis für die Wahl der richtigen passiven Vermögensanlagen.

Mit einer professionellen Finanzplanung sind überdurchschnittliche Renditen möglich. Allerdings nicht in Bezug auf die Kapitalmärkte, sondern in Vergleich zu jenen Mitbürgern, welche sie das Geld für eine solche Planung sparen. Oder ihr Glück bei überteuerten Vermögensverwaltern zu suchen.

Und selbst wenn Sie Pech haben und keine überdurchschnittliche Rendite erzielen sollen. Eine Finanzplanung rechnet sich trotzdem, weil sie ein Gefühl der Sicherheit schafft und Ihren Vermögensverlauf planbar gestaltet.

Darum der Klapps auf den Hinterkopf: Wehren Sie sich gegen die maßlosen Ansprüche Ihrer Banker und Vermögensverwalter. Handeln Sie rational. Leisten Sie sich gute Beratung (ja, die kostet), aber nur dort, wo Sie unmittelbar eine Gegenleistung erhalten. Beim Vermögensverwalter herkömmlicher Schule ist eine solche Leistung nicht zu erwarten.

Daniel S. Batt
Geschäftsführer
Finanzplaner mit eidg. FA (FH)

 

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