Ist die hohe Sparquote von Besserverdienenden gerecht?

Laut einer neulich veröffentlichten Studie sparen Besserverdiener durchschnittlich rund ein Drittel Ihres Jahreseinkommen oder 58.000 € pro Jahr, während sich die untere Einkommenshälfte sogar mit rund 300 € pro Jahr verschuldet (negative Sparquote). Erstaunt diese Erkenntnis? Gibt Sie Anlass zur Sorge? Ist sie gar ein eigentlicher Skandal? Kurz und knapp: nein.

Sozialneid als Lebenshaltung

Des Deutschen Lieblingsdisziplin ist nicht Fußball, Handball oder Laufen, sondern Sozialneid. Während sich die meisten Menschen bei den übrigen Sportarten dezent zurückhalten, verausgaben sie sich angesichts von Einkommens- oder Vermögensunterschieden mit leidenschaftlicher Missgunst. Würden sie sich mit derselben Verve in ihre Ausbildung oder ihren Job stürzen, viele sähen sich danach selber in der Opferrolle …

Was natürlich Unsinn ist. Wirtschaftlicher Erfolg zeichnet sich nämlich dadurch aus, dass er den meisten vergönnt und den wenigsten gegönnt ist. So ist das mit Erfolg. Ist auch nicht weiter schlimm, denn wie zahlreiche Studien immer wieder beweisen, sind es diese Unterschiede, welche Triebfeder für außergewöhnliche Leistungen sind. Versuche alle Menschen auf eine Ebene zu stellen, sind nicht nur an Korruption und Vetternwirtschaft gescheitert, sondern auch an der mangelnden Motivation der Masse. Also: Unterschiede sind etwas Gutes.

Nicht die Differenz ist das Problem, sondern die Basis

Schlecht ist, wenn die wirtschaftliche Unterschicht nicht genug zu einem anständigen Leben hat. Denn das ist wiederum das Gerechte an Wohlstand: Mit Glück und einem guten Lebensgefühl hat es nichts, aber auch gar nichts zu tun. Ab einem gewissen Versorgungsgrad hat es jeder selber in der Hand, ob er glücklich oder unglücklich durchs Leben geht.

Bislang waren wir in Deutschland gewohnt, dass dieser Zugang zu einer ausreichenden Versorgung den allermeisten Menschen möglich war. Seit ein, zwei Jahrzehnten bröckelt dieser gesellschaftliche Konsens. Und damit wir uns richtig verstehen: Der Tabubruch findet nicht alleine auf der Ebene der Superreichen und des Kapitals statt. Er durchzieht alle Gesellschaftsgruppen. Immer mehr Menschen erwarten von anderen Menschen, dass die ihre Dienste für lau oder zumindest für ein unanständiges Arbeitsentgelt anbieten.

Weshalb sparen Besserverdiener mehr?

Und nun die Sparquote. Das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) hat das Sparverhalten der Bevölkerung analysiert und dabei festgestellt, dass die Wohlhabenden viel und die Armen wenig sparen können. Quelle Surprise! Wer sich für die Studie interessiert, findet sie hier (in englischer Sprache).

„Wer viel verdient, könnte es sich leisten, großzügiger mit dem Geld umzugehen. Dennoch sparten in Deutschland viele Besserverdiener ihr Geld.“ (Zitat aus dem Spiegel).

Die Autoren der Studie, welche im Auftrag des IMK vom Tübinger Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung stellen darüber hinaus fest, dass die Sparquote mit zunehmendem Einkommen sogar noch steigen würde.

Zitat: „Über die Zeit zeigt sich, dass die Konzentration von Ersparnissen immer weiter zunimmt“

Wie gesagt sind diese Erkenntnisse weder neu, noch überraschend, noch besonders aufschlussreich. Trotzdem denke ich, dass man diese Fakten einmal aus einem anderen Licht betrachten sollte, welche weniger missverständlich sind und aus welchen man durchaus auch für die anderen Einkommensgruppen wichtige Erkenntnisse schöpfen könnte.

Was kommt nach dem Sparen? Das Alter!

Ein Arbeitsleben dauert in diesem Land ca. 35 Jahre – vorausgesetzt man hat das Abitur gemacht, studiert und den einen oder anderen zusätzlichen Lehrgang absolviert. Das dürfte in der Mehrzahl aller Fälle bei den Besserverdienenden der Fall sein.

Wer die Lebensarbeitszeit erfolgreich hinter sich gebracht hat, darf auf eine erwerbsfreie Alterszeit von durchschnittlich 15 – 20 Jahren hoffen. Ungerechterweise haben Besserverdiener auch hier einen gewissen Vorteil, denn sie leben deutlich länger als Geringverdiener. Erwerbsphase zu Ruhestand stehen also im Verhältnis von 35 / 20 Jahren.

Besserverdiener und Ihr Leben jenseits der GRV

Wie finanzieren Besserverdiener diesen Ruhestand? Mit der gesetzlichen Rentenversicherung …? Vorsichtig gesprochen: eher weniger. Sie müssen den Großteil Ihres Alterseinkommens aus dem eigenen Vermögen finanzieren. Dazu brauchen Sie aber Kapital, welches sie zurecht während ihres Arbeitslebens vom Einkommen zur Seite legen.

Wenn wir hier also die zwei Lebensphasen ins Verhältnis stellen, müssen die Besserverdiener (falls keine GRV vorhanden ist) rund einen Drittel ihres Einkommens der Gegenwart für die Ausgaben der Zukunft sparen.

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Vermutlich wird das nicht ganz reichen. Denn Besserverdiener haben einen weiteren wichtigen Nachteil in Bezug auf die Finanzierung Ihres Alters: Sie sind nicht selten in der privaten Krankenversicherung (PKV) versichert. Alleine zur Finanzierung dieses Aufwandes sind Vermögenswerte notwendig, welche sich der Durchschnitt der Arbeitnehmer nicht einmal vorstellen kann.

Betrachtet man also diese beiden Punkte – und es gäbe noch ein paar interessante Aspekte mehr – sieht man, dass ein Drittel des Einkommens als Sparquote nicht ausreicht, um den gewohnten Lebensstandard weiter zu führen. Ohne gewisse Einschnitte ab Eintritt in den Ruhestand wird es da nicht gehen.

Anmerkungen zu Sparquote und Gerechtigkeit zwischen den Bevölkerungsgruppen

Drei Dinge schließen wir aus dieser kurzen Betrachtung einer Feststellung, welche isoliert für sich gesehen Neid und Missgunst wecken könnten:

Das Alter ist eine sehr teure Angelegenheit. Wer seine Lebensführung nicht alleine aus dem Korb der gesetzlichen Rentenversicherung oder der Grundsicherung finanzieren kann, muss richtig Geld zur Seite legen. Wer dazu nicht in der Lage ist, sollte seine Lebensführung einer professionellen Überprüfung unterziehen. Vermutlich gibt er oder sie einfach zu viel Geld aus für Dinge, welche ihn oder sie später teuer zu stehen kommen.

Wer nicht in der Lage ist mehr als einen Drittel seines Einkommens als Sparquote zu verbuchen, sollte zumindest beim Ansparprozess versuchen sein Potential nicht dadurch zu schwächen, dass er unnötige Steuern zahlt und seine Nettorendite unter die Inflationsrate fällt. Denn in diesem Fall – und das ist die Regel – wird es extrem die notwendigen Summen aufzubringen. Kleiner Tipp: Mit Anlagen aus der Kategorie Sparbuch, Tagesgeldkonto oder Anlagekonto ist das nicht zu schaffen.

Geringverdienende müssen sich nicht über ihre mangelnde Sparquote grämen, sondern über ihre wirtschaftliche Gesamtsituation. Deren Problem besteht nicht in der tiefen Sparquote, sondern in ihren beschränkten Möglichkeit ihre wirtschaftliche Situation zu ändern. Staatliche Eingriffe, etwa der zutiefst unsinnige Vorschlag von Georg Fahrenschon die Grenzwerte für die vermögensbildenden Leistungen zu erhöhen, ist ihnen nicht gedient. Viel effektiver wäre es, wenn das Bildungssystem durchlässiger für alle Bevölkerungsgruppen wären, wenn man Kinder von Geringverdiener wirkungsvoll auf ihrem Schul- und Ausbildungsweg unterstützen würde und wenn man Weiterbildung für Erwachsene effektiver gestalten würde.

Es ist wie immer im Leben: Ein einseitiger Blick auf die Dinge ist nie zielführend. Wer solche Studien in Auftrag gibt, verfolgt ein konkretes Ziel, welches man als Leser immer hinterfragen sollte.

Daniel S. Batt
dipl. Finanzplaner mit eidg. FA (FH)
Geschäftsführer

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