Schäuble geht – Gottseidank!

Wie Wolfgang Schäuble eine historische Chance verpasste

Die Tage des Bundesfinanzministers Schäuble sind gezählt. Die Tatsache, dass der 75-Jährige nicht in den Ruhestand geht, sondern zum zweithöchsten Mann des Staates befördert wird, sagt viel über den Zustand der bundesdeutschen Politik aus. Aber das ist nur ein Randthema.

Eigentlich gehört er bestraft. Stattdessen wird Schäuble Bundestagspräsident

Für mich ist die schwäbische Hausfrau Schäuble ein Verbrecher. Und das nicht etwa wegen der nie bewiesenen, aktiven Beteiligung an der CDU-Parteispendenaffäre im ausgehenden 20. Jahrhundert. Nein, weil er die Jugend um ihre Zukunft betrogen hat.

Vernarrt in die Vorstellung, ein Staat dürfe keine Schulden machen, hat er gespart, wo Ausgaben notwendig gewesen wären. Bei der Infrastruktur etwa. Vor allem aber und das ist das größte Verbrechen das ein Finanzminister machen kann, bei der Bildung. Also dort, wo der Wohlstand zukünftiger Generationen erschaffen wird. Bravo!

Schäuble und sein Schuldenabbau-Wahn

Kein Verbrechen, aber eine riesengroße Dummheit war sein Verhältnis zu Schulden. Weil er eine sehr einseitige Beziehung zu Schulden pflegt (Schuldenabbau koste es was es wolle!), haben wir in Deutschland eine wahrscheinlich historische Chance verpasst.

Tatsächlich müsste man nämlich auch beim Staat unterscheiden, zwischen Schulden im Sinne einer Konsumausgabe und solchen, welche heute eine Investition finanzieren, die morgen Erträge abwerfen. Solche Schulden sind bilanztechnisch neutral. Ihnen steht – wenn man nicht allzu doof agiert – immer ein entsprechender Gegenwert gegenüber. Sie heben sich also gegenseitig auf.

Wie könnten solche Schulden aussehen?

Hätte der Bund etwa die Chance nach der Euro-Schuldenkrise genutzt und sich für zu Null (in Zahlen. 0!) Prozent Zinsen langfristig Geld am Markt geliehen, hätte er damit bundesweit dem Wohnungsbau einen Schub geben können. Außerhalb der Spekulation. Außerhalb unanständiger Bereicherungsstrategien von Bauträgern. Einfach indem er Genossenschaften das Geld geborgt hätte oder selber als Bauherr aktiv geworden wäre.

Stattdessen haben wir in einer Zeit, in der Deutschland mit Schulden Geld verdient hat, Schulden reduziert. Mit dem Ergebnis, dass das freie Kapital in die Immobilienwirtschaft geflossen ist, dort die Hauspreise in die Höhe geschossen sind und die Mieten in den Städten schon für den unteren Mittelstand kaum mehr zu bezahlen sind. Auf dass die öffentliche Hand mit Wohngeld aushelfen muss… Wohlverstanden mit Geld, welches diese nicht hat und sich deswegen verschuldet.

Was die eine (öffentliche) Hand spart, gibt die andere trotzdem aus

Das wiederum ist ein typischer Fall von Konsumschulden. Dieser Verbindlichkeit steht am Ende keine Forderung und auch keine Einnahme gegenüber.

Ganz anders wäre es gewesen, wenn Genossenschaftsbauten finanziert worden wären. Diese Schulden wären verzinst und getilgt worden.

Und mit dem Ertrag hätte man einen Beitrag an die Beseitigung der Bildungsmisere leisten können. Aber auf eine solche Idee kommen schwäbische Hausfrauen nicht.

Was können wir daraus lernen?

  • Wenn junge Wähler nicht wählen gehen sind sie selber schuld, wenn die Braunen Erfolge feiern und die rot/schwarzen ihre altersschwache Wählerschaft hofieren.
  • Wer eindimensional denkt, kann auch nur eindimensional handeln.
  • Wenn man nur kurzfristig handelt, hat man langfristig evtl. keinen Handlungsspielraum mehr

Die Bilanzwahrheit gilt auch für Private

Das Gesetz, dass Schulden und Vermögen immer im Gleichklang wachsen müssen, gilt auch für Private. Das gilt insbesondere für den Bereich, wo sich Privatpersonen besonders gerne und besonders hoch verschulden: die Immobilie.

Solange mit den aufgenommenen Darlehen lediglich der tatsächliche Bedarf gedeckt wird, sind sie kein Problem.

Sobald mit der Hypothek aber Liebhabereien, übertriebene Geltungssucht, ein Überbedarf oder die Gier der Bauträger finanziert werden, wird es kritisch. In diesen Fällen ist nicht nur die Bilanz im Ungleichgewicht (weil es nicht sicher ist, dass die Immobilie zum bilanzierten Wert verkauft werden kann), sondern auch die Ertragsrechnung negativ (weil Luxus und nicht Bedarf finanziert wird). Beides ist unter Umständen in einer wirtschaftlichen Schönwetterperiode kein Problem. Sobald es aber stürmt, kann das ganze Gebilde in sich zusammenfallen.

Schulden sind also weder einfach gut, noch einfach schlecht. Es ist vielmehr eine Frage des intelligenten Einsatzes. Es gibt darum keinen Grund Angst vor Schulden zu haben. Es reicht, wenn man ihnen mit einem gewissen Respekt begegnet und sich ihnen im Stile eines vorsichtigen Kaufmanns ihrer Chancen bedient.

Wenn Sie trotzdem unsicher sein sollten. Lassen Sie sich ohne Druck beraten. Wir machen das gerne! Einfach anrufen oder sich per Mail bei uns melden. Ein Problem weniger.

Daniel S. Batt
Dipl. Finanzplaner mit eidg. FA (FH)
Geschäftsführer

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