Richtig Schulden machen

TLTRO II oder die EZB in der Schuldenfalle

Der Chef der Europäischen Zentralbank Mario Draghi verkündete am vergangenen Donnerstag, dass die EZB den Leitzins auf NULL Prozent senken werde. Was spektakulär klingt, ist in Wirklichkeit eine Minisenkung, denn schon bisher verlangte die EZB nicht mehr als 0,05%. Das Pulver der EZB zieht offensichtlich Wasser und will nicht mehr so richtig zünden. Das weiß auch Mario Draghi. Wahrscheinlich glaubt er selber nicht, dass mit der Zinssenkung irgendetwas erreicht werden kann, weshalb er zu weitaus schärferen Mitteln greifen will, um die drohende Deflation zu verhindern: Er subventioniert Banken, welche Kredite vergeben.

Als Banken noch Geldinstitute waren

Zur Erinnerung: Banken sind Firmen, welche ihr Geld früher mit dem Verleihen von Geld verdient haben. Ihr Geschäftsmodell war simpel: Sie liehen sich billiges Geld und verliehen es zu besseren Konditionen weiter. Den Spread zwischen Soll- und Habenzinsen rechtfertigten Sie mit der Prüfung des Risikos, der Verwaltung des Kredites und dem Risiko des Schuldnerausfalls.

Schnee von gestern.

Risiken können und wollen Banken heute nicht mehr eingehen. Damit wird das Ziel der EZB, durch billiges Geld die europäische Nachfrage anzukurbeln und damit die Inflation (auf bescheidene 2%)anzuheizen ins Leere laufen. Ob sie mit ihrem anderen innovativen Projekt, welches auf den einprägsamen Namen TLTRO II hört, mehr Erfolg hat bleibt abzuwarten.

Immerhin ist TLTRO II im Kern ein Bonifikationssystem (die Banken werden mit einem Bonus von bis zu 0,4% auf ihre Ausleihungen bei der EZB belohnt, wenn Sie ihre Kreditvergabe steigern). Und wie wir aus Erfahrung wissen, sind Bonifikationen das Einzige, was Banker wirklich interessiert…

TLTRO II liefert mit Sicherheit Fehlanreize

Wir wissen aber auch, dass Banker dazu neigen jedes Anreizsystem mit krimineller Energie auszureizen und zu missbrauchen. Deshalb sollten wir nichts Positives von TLTRO II erwarten.

Tun die Kritiker der EZB auch nicht. Sie weisen darauf hin, dass TLTRO II ein weiterer Sargnagel für eine vernünftige Lösung der Euro-Schuldenkrise sein wird. Zum einen, weil damit (illegal) Banken subventioniert und am Leben erhalten werden und zum andern, weil due am schlimmsten verschuldeten Staaten der Euro-Zone weiter aus der Pflicht nimmt, ihre strukturellen Defizite zu senken und unproduktive Schulden abzubauen.

Was sind produktive Schulden?

Sie wohnen vielleicht im schwäbischen Hinterland und fragen sich nun, was produktive Schulden sein können. Mit dieser Frage stehen Sie nicht ganz alleine. Auch die ständige Vertretung der schwäbischen Hausfrauen in der Bundesregierung stellt sich diese Frage Tag für Tag. Weil er sie nicht beantworten kann, überlässt er das Schuldenmachen folgerichtig jenen, welche das Geld für sinnlose Sozialprojekte und eine aufgeblähte, korrupte Administration verwenden (strukturelle Defizite). Würde sich der Bundesfinanzminister nicht völlig verbohrt an seiner schwarzen Null klammern, sondern stattdessen Geld in die Zukunft dieses Landes investieren (Bildung, Forschung, Infrastruktur und solche Dinge), stünde die EZB mit ihren albernen Bemühungen nicht ganz alleine. Stattdessen könnte der Bedarf der Deutschen zum eigenen Vorteil die Konjunktur der Nachbarländer in Gang bringen. Die Schulden für Investitionen wären praktisch kostenlos, die Rückzahlung durch den ROI (Return oft Investment) in der Zukunft gesichert.

Das wäre intelligente Politik. Was die EZB und die Bundesregierung unter dem bornierten Finanzminister leisten ist einfach nur traurig.

Schulden rechnen sich – wenn Sie intelligent eingesetzt werden

Jeder Hauptschulabsolvent (mit Abschluss) kann nachvollziehen, dass es Sinn macht sich zu verschulden, wenn man das Geld sinnvoll einsetzt. Etwa indem man seine Ausgaben für die Mietwohnung in Wohneigentum wandelt. Irgendwann werden die Schulden getilgt und das Wohnen bedeutend sicherer und kostengünstiger sein. Das ist produktives Schuldenmachen, Herr Schäuble!

Aber der Grad des Schuldenmachens ist schmal. Wer ein Wohneigentum erwirbt, welches weit über den eigenen Verhältnissen liegt, weil die Zinsen so wahnsinnig tief liegen, wird später Mühe haben diese Schulden mit den Einsparungen an Miete zu tilgen.

Fehlallokationen werden provoziert

Genau diesen Prozess löst die EZB mit ihren Bemühungen aus. Wer wahllos sinnlos Geld für lau unters Volk bringt, wird dafür sorgen, dass die Menschen sich nicht genügend Gedanken über dessen Einsatz machen. Fehlallokation nennt man das in der Fachsprache. Um beim Bild des Eigenheims zu bleiben: Statt ein bescheidenes, aber zweckmäßiges Haus zu bauen, erhält das Haus zwei Zimmer mehr, eine schweineteure Küche und einen Swimmingpool.

Sparen zum Schaden von allen

Noch schlimmer ist allerdings, wenn man auf Schulden verzichtet, das Geld auf der Bank verrotten lässt und das Haus langsam verfallen lässt – so wie dieses Land Schulen, Straßen, Brücken und sonstige Gebäude nach und nach verfallen lässt.

Sparen zum Schaden von sich selber

Oder die Vielzahl von Bundesbürger, welche sparen zum obersten Prinzip ihres Verhältnisses zu Geld gemacht haben und deshalb 2000.000.000 Euro auf Sichtkonten zinslos vermodern lassen. Die Folge dieser kurzfristigen Politik der Enthaltsamkeit wird sein, dass dieses Geld zum Zeitpunkt des Platzens der EZB-Blase nicht nur keinen Lustgewinn verbreitet hat, sondern als erstes von den Konsequenzen der kurzsichtigen

Daniel S. Batt
dipl. Finanzplaner FA (FH)
Geschäftsführer TWC Consulting GmbH

 

Sehen Sie sich in diesem Zusammenhang den interessanten Video Blog der SZ Wirtschaftsredaktion an.

 

 

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