Rentenerhöhung 2016

Diese Rentenerhöhung macht die GRV noch kränker

Heute im Westfalen-Blatt gelesen und gestaunt: „Die jetzt angekündigte Rentenerhöhung sollte notorische Pessimisten wenigstens etwas kleinlauter werden lassen.“ Bevor ich nun an den Kommentator, Herrn Stefan Vetter einprügle, möchte ich darauf hinweisen, dass er mit seinen Bemerkungen Rentenerhöhung 2016 nicht alleine steht. Zahlreiche Kommentatoren freuen sich mit Stefan Vetter über die Rentenerhöhung 2016 und sehen darin den Beweis, dass die gesetzliche Rentenversicherung doch nicht auf solch schwachen Füßen stehe, wie von vielen sogenannten „Experten“ immer wieder erklärt. Sie weisen darauf hin, dass die als Alternative beworbene private Vorsorge mit den Folgen der Nullzinspolitik der EZB zu kämpfen habe und man mit kapitalgedeckten Vorsorgeprodukten deshalb auf keinen grünen Zweig komme.

Rentenerhöhung 2016 ist lediglich eine Momentaufnahme

Wäre ich Rentner, ich würde mich zweifellos auch über den üppigen Zuschlag freuen. Wer würde das nicht? Nur, was sagt die Rentenerhöhung 2016 über die Stärke des Systems als Ganzes aus? Was kann man aus der Erhöhung der Rente von 4,25 % (West), bzw. 5,95 % (Ost) per 1. 7. 2016 für die Zukunft des Vorsorgewerkes schließen? Welche Rückschlüsse lassen sich daraus ziehen, wie die GRV im Jahre 2026 oder 2036 da stehen wird? Nichts. Gar nichts.
Die Rentenerhöhung 2016 ist nicht die Folge einer fundamentalen Verbesserung der Grundlagen der gesetzlichen Rentenversicherung, sondern das Ergebnis eines mathematischen Prozesses: der Rentenanpassungsformel. Sie ist eine reine Momentaufnahme (und also solche erst noch rückwärtsbezogen).

Die Rentenanpassungsformel nimmt Bezug auf die Entwicklung der versicherten Einkommen des Vorjahres. Schon daraus ergibt sich, dass sich aus der Tatsache der überdurchschnittlichen Rentenerhöhung 2016 nichts anderes ableiten lässt, als dass sich die Summe des sozialversicherungspflichtigen Einkommens im Vorjahr erhöht hat.

Alles im grünen Bereich also? Nicht wirklich

Natürlich weiß ich, dass Journalisten seit einigen Jahren hartes Brot zu beißen haben. Den Verlagen fehlt das Geld, um ihren schreibenden Angestellten genügend Zeit zu geben, um ihre Artikel mit Recherchen zu unterfüttern. Ob dies als Ausrede hinhalten darf, verantwortungslosen Unsinn zu verbreiten? Ich denke nicht.

Die Rentenerhöhung 2016 ist kein Grund zur Freude. Sie steht symbolisch für die Schwäche des Systems Fehler nicht nur zu erkennen, sondern sie zu korrigieren.

Die Rentenerhöhung von heute ist die Beitragslast von morgen. Denn die Rentenerhöhung 2016 wird auch in den darauf folgenden Jahren und Jahrzehnten durch Beiträge zu finanzieren sein. Hätte man die Erhöhung lediglich auf die Inflation beschränkt, statt eine reale Erhöhung vorzunehmen, hätte man mitgeholfen, die Beitragslast der Zukunft zu verringern. Was solls: Man kann in Zukunft die Beiträge natürlich auch durch weitere Leistungskürzungen im Griff behalten. Oder anders ausgedrückt: Die reale Rentenerhöhung 2016 ist die Leistungskürzung des Jahres 2036. Irgendwie witzig: Wir Beitragszahler finanzieren heute unsere Leistungskürzungen von morgen. Super!

Die Rentenerhöhung 2016 verstärkt die Altersarmut

Die Altersarmut breitet sich immer weiter aus. Vielleicht hätte man mit jenem Teil der Rentenerhöhung 2016, welcher die reale Inflation übersteigt, dafür sorgen können, das Leben der ärmsten Rentner zu verbessern. Stattdessen sorgen wir dafür, dass sich auch im Alter die Einkommensschere zwischen Arm und Reich weiter auseinandergeht. Denn die vermögenden Rentner brauchen die Erhöhung nicht, erhalten aber betragsmäßig deutlich mehr, als jene, denen das Geld für notwendigen Zahnersatz oder die Anpassung von Sehhilfen fehlt. Sie wissen nicht, wovon ich spreche? Dann schauen Sie sich die Probleme der gutsituierten Rentner an. Es handelt sich hier um einen ehrlichen Kommentar zu einem Kommentar der Augsburger Allgemeinen zur Rentenerhöhung 2016:

„Super, sehr schön – ich freue mich über diese frohe Botschaft – und mit mir viele, sehr viele Rentner/innen.
Das kommt gleich in die Spardose für einen großen Wunsch, einen heiß ersehnten Traum: ein E-Bike.“

Eine reale Rentenerhöhung ist also kein Beweis der Stärke, sondern ein Armutszeugnis für diese Gesellschaft. Wir lassen die Armen in ihrem Elend zurück und nutzen die fortschreitende Umverteilung von Jung zu Alt dazu, bereits überversorgte Rentner noch weiter mit Geld zu bestücken. Toller Leistungsausweis.

Diesen Journalismus kann man sich sparen. Zum Beispiel zugunsten der privaten Altersvorsorge

Ja, lieber Stefan Vetter und Kollegen / Kolleginnen. Die Rentenerhöhung 2016 beweist, dass man mit guter Arbeit auch heute noch gutes Geld verdienen kann. Aber wie lange wird das noch der Fall sein? Im Jahr 2036 werden viele heute noch gut dotierte Stellen in Industrie und Dienstleistungsgewerbe wegrationalisiert worden sein. Dann dürfte die Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Einkommen rückläufig sein. Die Folgen der Rentenerhöhung 2016 wird – dem „Gesetz zur Sicherung der nachhaltigen Finanzierungsgrundlagen der gesetzlichen Rentenversicherung“ sei Dank – jedoch weiterhin schwer auf den Schultern der schwindenden Zahl der Beitragszahler lasten.

Die Rentenerhöhung 2016 beweist darum gar nichts. Außer, dass es einen Grund gibt, weshalb die Menschen im Jahr 2016 immer weniger Grund sehen, ihr Geld für Massenblätter auszugeben, deren Journalisten sich nicht mehr als 15 Minuten Zeit nehmen, eine Situation eingehend zu durchleuchten, bevor sie in die Tasten hauen.
Solange sie das Geld danach für den Aufbau einer privaten Altersvorsorge nutzen, ist alles in Ordnung. Mit oder ohne Zins: Jeder Euro zählt.

Daniel S. Batt
dipl. Finanzplaner FA (FH)
Geschäftsführer

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