Rente mit 70

Braucht es die Rente mit 70?

Hand aufs Herz: Wie wichtig ist Ihnen die Rente mit 70? Vermutlich machen Sie sich darüber gar keine Gedanken. Zumindest keine ernsthaften. Die Älteren nicht, weil es sie kaum mehr betreffen wird und die Jüngeren nicht, weil Rente a.) noch weit weg ist und b.) sie sich ohne lange darüber nachgedacht zu haben, eh keine Hoffnungen auf Rente machen. Es ist ein gut gepflegtes Allgemeinwissen, dass in 15 Jahren das aktuelle Rentensystem ausgedient hat. So what?

Trotzdem streiten sich Politiker, Gewerkschafter, Sozialverbände und Ökonomen darüber, ob man die Rente mit 70 nun einführen soll oder ob das einfach eine absurde Gedankenspielerei ist. Völlig undenkbar, weil Menschen ab 60 eh keine Arbeit mehr finden.

Die Diskussion über die Diskussion ist absurd

Tatsächlich ist die Diskussion wirklich absurd.  In meinen Augen spielt das Renteneintrittsalter schlicht und ergreifend keine Rolle: Zukünftige Rentner werden so oder so massive Einschnitte erleben.

Gehen wir einmal davon aus, dass die Wertschöpfung in diesem Land nicht davon abhängt, ob wir nun die Rente mit 70 haben oder doch 67 wie geplant. Oder gar wieder 65, wie einige Sozialneurotiker das schon wieder verlangen. Die Summe des Geldes, welches man über die Rentenkasse verteilen kann, bleibt konstant. Daraus ergeben sich genau zwei Szenarien: Entweder man reduziert die Rentenbezugsdauer (späteres Renteneintrittsalter) oder senkt die Rente. Oder beides.

Auch eine linke Voodoo-Ökonomie ist nicht die Lösung

Wir können noch so lange darüber diskutieren, daran wird sich nichts ändern. Denn wenn die Linke und die Gewerkschaften es nicht schaffen sollten, mittels Voodoo-Ökonomie Geld her zu zaubern (das geht natürlich, wie die EZB im Moment eindrücklich zeigt, aber das funktioniert vermutlich nicht dauerhaft), dürfte es schwer werden die fahrlässig gegebene Versprechen einzulösen. Das dicke Ende kommt, sobald die Kassen leer sind. Spätesten dann es weniger Rente geben: egal ob wir es dann Rentenkürzung oder Rente mit 70 nennen…

Die Rechnung zahlen auf alle Fälle Sie!

Mit anderen Worten: Egal welches Märchen Ihnen die Politik auftischen will, die Entwicklung wird Sie mit Sicherheit Geld kosten. Viel Geld, dass kann ich Ihnen versprechen. Rechnen Sie einfach einmal zu Ihrem groben Verständnis mit 3 Jahresrenten.

Das ist zum Ersten einmal die schlechte Nachricht. Die Gute ist, dass Sie noch reichlich Zeit haben sich auf das Unvermeidliche einzurichten. Denn anders als ein Politiker, welcher nur bis zur nächsten Wahl denkt, müssen Sie sich nichts vormachen, sondern können handeln. Und zwar rasch – denn je schneller Sie sich darauf einstellen, desto weniger belastet es Ihre Lebensgestaltung.

Was kann man tun, um sich für die Rente mit 70 zu wappnen?

Im Prinzip gibt es 4 Wege, sich mit den veränderten Bedingungen zu arrangieren:

Länger arbeiten

Mir ist klar, dass dies viele Menschen gar nicht gerne hören, aber es muss sein: Länger arbeiten ist die einfachste und sicherste Möglichkeit der Stärkung der Altersvorsorge. Und das gleich im doppelten Sinne. Zum einen wird es zukünftig einfach viel zu teuer sein, sich bereits mit 62 in den Ruhestand versetzen zu lassen. Zum andern fehlt dem Gesamtsystem die fehlende Wertschöpfung der Frührentner.

Darum: Stellen sie sich der Rente mit 70, indem Sie zumindest in Erwägung ziehen länger als 67 zu arbeiten. Das bedeutet aber auch, dass Sie sich nicht schon kurz nach dem 50. Geburtstag jeglicher technischen Entwicklungen verschließen dürfen. Sie müssen Ihren Teil dazu beitragen, möglichst lange ein attraktiver Arbeitnehmer / Arbeitnehmerin zu bleiben.

Wenn Sie das nicht schaffen können – auch kein Problem. Allerdings müssen Sie dann im Gegenzug bereit sein, weniger qualifizierte Arbeiten zu verrichten. Bei entsprechendem Lohnverzicht, versteht sich.

Kosten reduzieren

Wahrscheinlich mache ich mich auch mit dem Vorschlag nicht beliebt. Trotzdem ist es die einfachste und effektivste Möglichkeit sich auf die schwache Versorgung im Alter vorzubereiten: Geben Sie heute weniger Geld aus.

Wenn Sie glauben, dass dieser Vorschlag eine Zumutung sei, dann kann ich Ihnen nur sagen, dass dem nicht der Fall ist. Schließlich werden Sie nach dem Arbeitsleben auch damit leben müssen, mit 60 bis 70 Prozent ihres heutigen Einkommens auskommen zu müssen. Und wenn Sie die 70 Prozent tatsächlich erreichen, stehen Sie richtig gut da.

Weniger geht und das nicht zu knapp. Wenn Sie ohne Not mit weniger auskommen können, bleiben Ihnen für den Notfall jede Menge Reserve. Genau diese Reserve wird Ihnen im Ruhestand fehlen, wenn Sie nicht vorsorgen.

Weniger bringt mehr Lebensqualität. Je tiefer Ihre Fixkosten, bzw. Ihre faktischen Fixkosten (Ausgaben, auf die Sie AUF GAR KEINEN FALL verzichten können, äh, wollen) sind, desto kleiner ist Ihr Beschaffungsstress während der Erwerbstätigkeit. Glauben Sie mir, dass das Ihrem Leben ein wirkliches Plus an Lebensqualität vermitteln wird. Wobei das unter Umständen natürlich auch dafür sorgen dürfte, dass Sie etwas länger leben…

Mehr sparen?  Nein, mehr anlegen!

Was Sie nicht ausgeben, können Sie zur Seite legen. Mit jedem einzelnen Euro, welcher auf Ihrem Vorsorgekonto liegt, nimmt Ihre Unabhängigkeit zu. Damit wird Ihr Leben (siehe Abschnitt zuvor) quasi Monat für Monat etwas unbeschwerter. Freies Kapital wirkt wie ein guter Stoßdämpfer beim Auto – es schluckt die kleinen Schläge des Lebens weg, ohne dass man sie spürt.

Je tiefer Ihre Lebenshaltungskosten sind und je weniger Sie Geld für Dummheiten und Schrott ausgeben, desto mehr können Sie zur Seite legen, desto größer wird Ihr Handlungsspielraum. Ganz einfach.

Mehr Zins nach Kosten Foto wavebreakmedia

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Besser anlegen

Im vorderen Abschnitt habe ich bewusst das „Sparen“ durch „Anlegen“ ersetzt. Das hat einen guten Grund: mit Sparen lässt sich kein Staat machen. Und schon gar nicht die Folgen von Rente mit 70 effektiv bekämpfen. Denn wenn die Rente mit 70 tatsächlich kommt, bzw. wenn sich die Menschen auf die unsichere Altersversorgung mit erhöhtem Sparen vorbereiten, wird es Geld im Überfluss haben. Und so wirkt das Spiel von Angebot und Nachfrage: Wo das Angebot (Kapital) hoch, die Nachfrage (Kredite) klein ist, sinkt der Preis (Zins).

Schon heute liegt der wesentliche Grund für die tiefen Zinsen nicht in den Interventionen der EZB, sondern am überschüssigen Kapital in unserem Land. An diesem Zustand wird sich in einer überalternden Gesellschaft auf sehr lange Frist nichts ändern. Schauen Sie einmal nach Japan, dann wissen Sie wovon ich spreche.

Man könnte es auf eine einfache Formel bringen: Investmentkonto statt Sparkonto. Legen Sie ihr Geld nicht bei der Sparkasse an, sondern dort, wo Wachstum zu erwarten ist. Und nicht in Anleihen, die rechnen sich zu wenig, sondern in Aktien und Immobilien.

Sie können schon heute mit relativ geringem Risiko eine Nettorendite von über 4 % erwirtschaften. Die Differenz zu Ihrem Zins auf dem Sparkonto hilft Ihnen vielleicht doch früher in Rente zu gehen oder die Rente nicht mit der Grundsicherung bestreiten zu müssen.

Zusammenfassung

Diesseits der 60 gibt es keine Mehrheit für die Politiker. Aus diesem Grunde weigert sich die Politik die notwendigen Maßnahmen zu treffen, um die soziale Rentenversicherung auf solide Füße zu stellen. Lieber macht man der wählenden Mehrheit weiterhin teure Wahlgeschenke.

Trotzdem oder gerade deshalb wird es in den 30er Jahre dieses Jahrhunderts kritisch für das Rentensystem. Rentenkürzungen und eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit (Stichwort: Rente mit 70) werden unumgänglich. Mit der richtigen Einstellung (Bereitschaft länger zu arbeiten und sich dafür fit zu halten), einer gesunden Sparsamkeit in der Lebensführung (wir reden nicht von Askese) und einem konsequenten Anlageverhalten, lässt sich dieses Problem im Griff halten.

Weniger Kosten, mehr Sparen, höhere Rendite. Je früher sich die Einsicht durchsetzt, desto effektiver können Sie sich auf die drohende Rente mit 70 vorbereiten. Als positiver Nebeneffekt werden sie gleichzeitig auch mehr Lebensqualität erfahren. Denn seien wir einmal ganz ehrlich: es gibt jede Menge Schrott in Ihrem Leben, auf den Sie ohne verzichten zu müssen, verzichten könnten.

Daniel S. Batt
Eidg. dipl. Finanzplaner FA (FH)
Geschäftsführer

 

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