Platzt die Blase an den Börsen und Sachwertmärkten?

Wann platzt die Blase?

Stellen Sie sich einmal vor, 270 Jahre nach Isaac Newton käme jemand auf die Idee zu behaupten, die Gravitationsgesetze hätten keine Bedeutung mehr. Etwa, weil er mit einem Revolver eine Kugel in die Höhe geschossen habe und diese noch nicht wieder runtergekommen sei. Verrückt? Nun, in Zeiten in denen Fakten bei der Beurteilung von Naturereignissen keine Rolle mehr spielen, müsste man sich darüber nicht mehr wundern. In der Finanzwirtschaft gehört dieses Verhalten schon immer zum guten Ton. Dort gilt die Weisheit, dass Naturgesetze nur so lange Bestand haben, bis neue Verfahren, Techniken, mathematische Modelle oder digitale Prozesse greifen.

Werden die Märkte Newton widerlegen?

Natürlich gelten die Naturgesetze auch für Banker und Wertpapierhändler. Ja selbst für Juristen. Sie lassen sie sich nicht außer Kraft setzen. Auch wenn die sich gerne als die Masters of the Universe sehen.

Naturgesetze gelten immer und jederzeit. Sie lassen sich bestenfalls durch andere Naturgesetze aushebeln. Das ändert jedoch nichts an der universellen Bedeutung dieser Kräfte. Im Finanzbereich ist das nicht anders.

What goes up, must come down!

Nicht dass Sie mich missverstehen. Die Gravitationskraft gilt nicht für Börsenwerte. Wenn ich also behaupte, dass die Preise für Aktien, Bitcoins oder Sachwerte wieder runterkommen, dann nicht wegen Isaac Newton uns seinen Theorien. Sondern weil der Boom an den Märkten nicht wirklich auf Naturgesetzen beruht. Die Kräfte, welche die Preise nach oben treiben sind künstlicher Natur. Fallen sie weg, verschwindet auch der Auftrieb, der notwendig wäre, die Werte auf dem erreichten Niveau zu halten.

Platzt die Blase oder platzt sie nicht?

Das ist nicht die Frage.  Die Korrektur wird kommen. Allerdings weiß niemand wann und in welchem Ausmaß es der Fall sein. Es gibt jedoch gute Gründe zu Pessimismus, denn der künstliche Auftrieb war und ist enorm. Entsprechend dürfte die Gegenreaktion denn auch ausfallen.

Im Prinzip ist das allen klar. Trotzdem gibt es jede Menge „Experten“, welche davon fabulieren, dass die bisher geltende Naturgesetze nicht mehr gelten würden. Oder zumindest stark abgeschwächt. Verantwortlich dafür seien neue Techniken, die Digitalisierung, künstliche Intelligenz oder irgendetwas mit dem Internet. Das wirkt immer.

Also geht die Party weiter.

Die Sache mit den Marktkräften

Tatsächlich hat der aktuelle Boom von Kryptowährungen, Aktien und Sachwerten kaum etwas mit irgendwelchen logischen Marktkräften zu tun. Sondern wie in jedem guten Kriminalfall mit Motiv, Mittel und Gelegenheit. Es ist dieser Mix aus Gier, Liquidität und jede Menge Kaufgelegenheiten, welcher die Märkte antreibt. Fällt die Liquidität weg und wandelt sich die Gier in Angst, dann will ich nicht wissen was aus den „neuen Verhältnissen“ wird. Und aus den sogenannten „Experten“, die diese neuen Gesetzmäßigkeiten erkannt haben wollen.

Wann platzt die Blase? Keine Ahnung. Das einzige, was ich aber ganz sicher weiß: Auch nach dem unvermeidlichen Crash wird es wieder Leute geben, welche glauben Marktkräfte seien rein technische Faktoren. In Tat und Wahrheit spielen diese bei der Blasenbildung immer nur eine untergeordnete Rolle. Entscheidend für eine Blasenbildung sind aber die menschlichen Schwächen und die werden sich wohl niemals ändern.

Platzt die Blase, erkennt man die Verlierer

Aus diesem Grunde bringt das Anlagegeschäft immer Gewinner und Verlierer hervor. Die Gewinner sind jene, welche entweder frühzeitig einsteigen und rechtzeitig aussteigen. Oder welche in jeder Marktphase in der Lage sind den Verlierern vorzugaukeln, dass die Naturgesetze außer Kraft gesetzt seien. Bis eben die Blase platzt.

Lesen Sie auch diesen interessanten Beitrag in der NZZ (einfach auf den Link klicken).

Daniel S. Batt
Dipl. Finanzplaner mit eidg. FA (FH)
Geschäftsführer

 

Related Posts
Vermögensverwalter rechnen sich nichtBitcoins Gold und andere Spekulationen