Renditeziel an die Kapitalmarktzinsen anpassen

Gezeitenwechsel verlangt ein Umdenken

Wenn die Rendite von Staatsanleihen dauerhaft eine Rendite von unter einem Prozent liegt, wenn mehr als bei einem Viertel aller ausstehenden Papiere gar eine negative Rendite bezahlt wird, dann ist es an der Zeit, dass man sich auch als Privatanleger Gedanken darüber macht, ob man seine Erwartungen in Bezug auf die Rendite von Kapitalanlagen nicht vielleicht doch den Gegebenheiten anpasst und das Renditeziel nach unten korrigiert.

Ein Leben in der Vergangenheit lässt Vermögen schmelzen

Tatsächlich scheint die Mehrzahl der Bundesdeutschen längst vergangenen Zeiten nachzutrauern. Zeiten, in denen es für „sichere“ Werte noch Zinsen von 5 % gab. Nun, diese Menschen müssen sich aktuell vorkommen, als hätten sie einen bösen Traum. Nur, aus diesem (Alp-)Traum gibt es mit allergrößter Wahrscheinlichkeit so rasch kein Erwachen. Die Zinsen werden auf Dauer tief bleiben. Und wenn ich von Dauer spreche, dann meine ich JAHRE. Wer jetzt sein Renditeziel unverändert lässt und lieber abwartet, bis bessere Zeiten anbrechen, wird wohl in absehbarer Zukunft bittere Erfahrungen machen.

Stellt sich die Frage, ob das wirklich schlimm ist. Schließlich hängt es nicht von der Höhe des Zinses ab, ob sich eine Rendite rechnet oder nicht. Oder anders ausgedrückt: Nicht das Renditeziel ist entscheidend, sondern ob ich am Ende des Tages Vermögen hinzugewonnen habe oder nicht.

2000.000.000.000 Euros können sich irren!

Privatanleger lassen sich bei den Kapitalanlagen leider immer noch von der nominalen Betrachtung leiten: Erreicht der Zinssatz eine gewisse Höhe, dann ist das Renditeziel erreicht. Bleibt er unter einer gewissen Zielgröße, verzichten sie lieber ganz auf den Zins, als sich ihre Zielrendite anzupassen. Sie nehmen also lieber keine Rendite in Kauf, statt einen Zins zu akzeptieren, welcher unter ihrer Erwartung liegt. Wohl deshalb liegen aktuell rund 2000.000.000.000 EUR unverzinst auf deutschen Konten. UNVERZINST!

Als Finanzplaner achte ich darauf, dass sich die Anlageziele meiner Mandanten nicht alleine auf die Definition eines Renditeziels reduzieren (darin unterscheiden sich Finanzplaner von Anlageberatern). Kapital hat sich in erster Linie in den Dienst der Eigentümer zu stellen. Es hat dafür zu sorgen, dass sich deren Lebensqualität verbessert. Ansonsten macht Vermögen keinen Sinn. Entsprechend ist es aus meiner Sicht nicht so entscheidend, wie hoch die Rendite ist – wenn das Ziel erreicht wird. Nur, wenn man aus falschen Beweggründen riskiert, dass die langfristigen Ziele (Wohlstandserhalt zum Beispiel) gefährdet werden, schreite ich ein. Ein solcher Beweggrund kann zum Beispiel sein, dass das Kapital brachliegt, weil man das Gefühl hat, eine Anlage würde sich wegen der tiefen Zinsen nicht lohnen.

Ihr Renditeziel sollte sich nie an der Bruttorendite orientieren

Tatsächlich leben wir in einer Zeit der Minizinsen. Doch nicht die Bruttorendite ist entscheidend, sondern die Nettorendite. Wenn Sie dereinst eine Investition aus ihrem Vermögen finanzieren wollen, dann wird es niemanden interessieren, wie hoch der Zins war, welches ihr Vermögen in der Vergangenheit erwirtschaftet war, sondern wie viel das angesparte oder angelegte Kapital zum Zeitpunkt der Investition noch wert ist.

Entsprechend müssen Sie darauf achten, dass der Zins nach Abzug von Kosten, Steuern und Inflation positiv ist. Ein positiver Zins ist für konservative Privatanlagen eher die Ausnahme. Der Grund? Weil sie eben konservativ sind und an Bestehendem hängen. Würden Sie mit Ihren Anlagen tatsächlich handeln, würden Sie wie die Profis auch dann hohe Renditen einfahren, wenn die Zinsen im Sinken begriffen sind. So aber warten sie ab, bis sich marktbedingte, temporäre Gewinne sich wieder in Luft aufgelöst haben. Immerhin macht das die Rechnung einfacher: Von einem Zins in Höhe von 4 % bleiben nach Abzug der Steuern noch 2,92 % übrig. Ein hoher Zins ohne entsprechend hohe Inflation ist eher unwahrscheinlich. Deshalb müssen wir davon ausgehen, dass die Inflation mindestens 3 % beträgt. Wir sind also bereits schon im negativen Renditebereich, müssen aber noch die Kosten bezahlen …

Ein Renditeziel von 1 % kann sich aktuell rechnen!

Bei einer aktuellen Rendite von 1 % bleiben nach Abzug der Steuern noch 0,73 übrig. Und wenn wir die Inflation vom Februar 2016 nehmen, geht davon auch nichts ab. Ob die Teuerung steigt oder ob wir sogar eine Deflation erfahren? Wir wissen es nicht, denn unsere Betrachtungen können immer nur aus einem aktuellen Blickwinkel beurteilen.

Aus diesem kleinen Beispiel wird klar, dass sich Nichtstun heute weniger lohnt, als in der Vergangenheit. Das unbeschreiblich hohe Guthaben auf deutschen Sichtkonten ist deshalb ein ökonomischer Unsinn.

Änderungen sind nicht zu erwarten. Vorerst!

Nimmt man endlich zur Kenntnis, dass in Bezug auf die herrschende Kapitalmarktsituation auf lange Sicht keine wesentliche Änderung stattfinden wird, muss man gleichzeitig auch konsequent sein und das Renditeziel den äußeren Umständen anzupassen. Die Hoffnung, die Lage würde sich in absehbarer Zeit ändern, könnte sich dabei als trügerisch erweisen.

Unter diesen Gesichtspunkten könnte man auch eine Kapitallebensversicherung bzw. eine klassische Rentenversicherung ganz anders beurteilen. Von den 1,25 % Garantiezins bleiben nach Steuern noch deren 0,91 % übrig – so man die gesetzlichen Rahmenbedingungen einhält. Berücksichtigt man dabei noch die den Zinseszinseffekt, bleibt auch nach Abzug der Kosten ein im Vergleich zu anderen konservativen Anlagen ein hübsches Pölsterchen in der Nettogewinnzone übrig.

Renditeziele anpassen, Anlageverhalten überprüfen

Geht man davon aus, dass das aktuelle Zinsszenario uns noch für einige Jahre begleiten wird, muss man auch seine Einstellung zu Kapitalanlagen generell überdenken. So habe ich an dieser Stelle schon mehrfach meine Zweifel angemeldet, ob eine klassische Rentenversicherung noch abgeschlossen werden kann. Diese Position möchte ich hiermit anpassen.

Für die meisten Menschen, welche entweder den Ruhestand vor Augen haben oder sich bereits in Rente sind, lohnt es sich auf jeden Fall, eine klassische Rentenversicherung abzuschließen, wenn sie es richtig machen. Zum einen, weil es auf jeden Fall besser ist, eine kleine Nettorendite auf das Vermögen zu erzielen, als es zinslos auf einem Konto liegen zu lassen (wobei das mit „zinslos“ nicht auf Dauer sein muss. Gut möglich, dass in Kürze ein Negativzins erhoben wird!). Zum andern, weil man sich mit einer geschickt eingesetzten klassischen Rentenversicherung einen Rentensatz sichert, welcher sich schon in wenigen Jahren deutlich verschlechtern wird (der Rentensatz ist ein Faktor, welcher über die Höhe der monatlichen Rente zu einem bestimmten Alterszeitpunkt entscheidet). Mit dem passenden Fachwissen kann man sich Rentensatz und Nettorendite sichern, ohne gleichzeitig dem Risiko einer plötzlich aufkeimenden Inflation schutzlos ausgeliefert zu sein.

Garantierenten weiterhin bevorzugt

Keinen Meinungsumschwung habe ich bezüglich der Überlegenheit von Garantierenten gegenüber klassischen Rentenversicherungen. Dieser Vorsprung bleibt erhalten. Ich bin mir einfach nur bewusst, dass nicht jeder Mensch bereit ist, einen ihm unbekannten Weg zu bestreiten. Und für diese Menschen ist es einfach besser, sie entscheiden sich für die zweitbeste Lösung, statt sich mit gar keiner Lösung in die Nesseln zu setzen.

Daniel S. Batt

Geschäftsführer TWC Consulting GmbH
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