Klassische Lebens- und Rentenversicherungen vor dem Ende?

Bis ins Jahr 2005 waren die Deutschen in Bezug auf ihre Altersvorsorge ziemlich fixiert: Lebens- und Rentenversicherungen standen bei ihnen besonders hoch im Kurs. Gründe dafür gab es reichlich:

  • Lebens- und Rentenversicherungen waren seit Jahrzehnten bei der Bevölkerung bekannt und bestens eingeführt.
  • Lebensversicherungen und (aufgeschobene) Rentenversicherungen waren schon immer sehr sichere Wertanlagen und deshalb bei konservativen Anlegern besonders beliebt.
  • Der Verlauf von aufgeschobenen Rentenversicherungen und Kapitallebensversicherungen ist sehr präzise vorhersehbar, weshalb man sie in der Finanzplanung bestens einsetzen konnte.
  • Der Garantiezins von Rentenversicherungen und Kapitallebensversicherungen sicherte auf eine lange Zeit hinaus eine gute Rendite. Überschüsse sorgten dafür, dass die Anlage ohne Risiko eine zusätzliche Dynamik erhielt.
  • Rentenversicherungen sind gerade im Alter eine extrem einfache Form der Vermögensverwaltung.
  • Besonders beliebt bei deutschen Anlegern war das Steuerprivileg von Lebens- und Rentenversicherungen, welches dafür sorgte, dass sich die Nettorendite im Vergleich zu konventionellen Kapitalanlagen besonders günstig darstellte.

Die Attraktivität von Lebensversicherungen befindet sich seit 2005 im freien Fall

Seit dem 1.1.2005 hat sich in dieser Hinsicht sehr viel getan. Begonnen hat alles mit der Steuerreform im Bereich der Altersvorsorge. Im Alterseinkünftegesetz des Jahres 2004 wurde neu festgelegt, welche Anlagen künftig als förderwürdig betrachtet werden. Die klassischen Lebens- und Rentenversicherungen gehörten nach der Definition der Rürup-Kommissioin, welche die theoretische Basis für das Gesetz gelegt hatte, nicht dazu.

  • Nach dem neuen 3-Schichten-Modell der Vorsorge wurden die Lebens- und Rentenversicherungen der sogenannten 3. Schicht und damit der privaten Vermögensbildung zugeordnet. Private Vermögensbildung wird mit dem AltEinkG jedoch nicht mehr gefördert. Das Steuerprivileg und damit der beliebteste Vorteil der Lebens- und Rentenversicherungen war fortan dahin. Zumindest in seiner absoluten Form, denn die Produkte genießen weiterhin gewisse steuerliche Privilegien, welche sie weiterhin attraktiv machen.
  • Entwicklung Rechnungszins Garantiezins von Lebens- und RentenversicherungenNeben dem Wegfall des Steuerprivilegs machte den Anbietern von Lebens- und Rentenversicherungen aber auch ein anderer Faktor das Leben schwer: die fallenden Zinsen, welche zu einem wahren Abschmelzen der einst stolzen Garantiezinssätzen geführt haben. (Siehe Tafel: Von Benutzer:TSchm – selbst erstellt, CC BY-SA 3.0, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=8400326)
  • Beschleunigt hat diese Entwicklung die Finanzkrise von 2008/2009 sowie als Folge, die Euro-Schuldenkrise ab 2010. Das Ergebnis dieser Krisen waren Zinsen, wie sie die Welt bis zu diesem Zeitpunkt noch nie gesehen haben. Besonders im Bereich der deutschen Staatsanleihen – der wichtigsten Anlageklasse der deutschen Lebens- und Rentenversicherungen – stürzten die Renditen ins Bodenlose. Pure Angst trieb die Anleger in die Hände der einigermaßen solide finanzierten Staatsschuldner. In ihrer Panik waren und sind sie sogar bereit den Staat zu bezahlen, dass er ihr Geld sicher verwahrt.
  • Eine Entwicklung, welche für die Lebens- und Rentenversicherungen fatale Folgen hat: legt das Finanzministerium doch auf der Basis der Renditen von zehnjährigen Staatspapieren fest, wie hoch der garantierte Rechnungszins angesetzt werden darf. So kamen die Gesellschaften in eine doppelte Zwickmühle: Auf der einen Seite fällt es ihnen seither immer schwerer die bereits versprochenen Verzinsungen zu garantieren und auf der anderen Seite, gelingt es ihnen seither nicht mehr, den Anlegern eine attraktive Verzinsung für Neuanlagen anzubieten. Eine Garantieverzinsung von gerade einmal 1,25% lockt niemanden – zumal auch auf lange Frist keine relevante Zusatzrendite bei den Überschüssen zu erwarten ist.
  • Ein weiterer Punkt bei den Lebens- und Rentenversicherungen ist die Einführung von Unisex-Tarifen zum 21. Dezember 2012, welche insbesondere bei den Rentenversicherungen Männern schwer auf dem Magen liegt.

Eine Branche am Scheideweg

Fehlende Anlagemöglichkeiten, finanzielle Altlasten durch bestehende Verträge mit hoher Zinsverpflichtungen, niedrige Attraktivität der Produkte, die deutsche Lebensversicherungsbranche steht am Scheideweg. Sollen klassische Produkte weiterhin angeboten werden oder soll man sich auf andere Anlageformen ohne Garantie konzentrieren.

Einige – auch sehr große Anbieter haben sich bereits aus dem klassischen Bereich verabschiedet, bieten fortan also keine Lebens- und Rentenversicherungen mit einem über die gesamte Laufzeit garantierten Zinssatz mehr an. Andere überlegen sich diesen Schritt oder bieten klassische Produkte nur noch auf Nachfrage an. Beworben wird diese Anlageklasse auf jeden Fall kaum mehr.

Umparken im Kopf

Wie hat eine große deutsche Automarke vor einiger Zeit so schön für ihre Produkte und das Abstreifen von alten Vorurteilen geworben? Umparken im Kopf.

Ganz so einfach fällt das der breiten Masse der Bevölkerung nicht. Diese Erfahrung macht man nicht nur Rüsselheim, sondern auch in der Finanzbranche. Es fällt vielen Menschen schwer, sich von alten Handlungssträngen zu lösen und ihr Verhalten auf neue Anforderungen auszurichten. Die Welt ist konservativ.

Alte Verhaltensmuster haben fatale Folgen: Versorgungsengpass spitzt sich zu

Ob man sich nun für ein Fahrzeug mit dem Blitz, einem Löwen oder zwei Buchstaben im Logo entscheidet, hat im Endeffekt für den Einzelnen keine besonders entscheidende Bedeutung. Schlussendlich bringen ihn alle Modelle und Marken einfach nur von A nach B. Versäumt man es, die technische Entwicklung der Branche nachzuvollziehen, führt zu keinen bleibenden Schäden.

Anders sieht es bei Lebens- und Rentenversicherungen aus. Wer die Zeichen der Zeit nicht erkennt und die Möglichkeiten des Marktes nicht voll ausschöpft, weil er oder sie einer traditionellen Sichtweise anhängt – riskiert die finanzielle Unabhängigkeit im Alter zu verlieren. Zumindest reduzieren sich die finanziellen Spielräume und der persönliche Freiheitsgrad beim Entscheid über die persönliche Lebensgestaltung. Insgesamt führt ein Festhalten an klassischen Rentenversicherungen, wie wir sie bei vielen Menschen in der Beratung sehen, zu einem weiteren Engpass in der Altersversorgung.

In unserem Dossier „Garantierenten“ wollen wir Sie für diese Veränderungen sensibilisieren und Ihnen zeigen, wie Sie Ihre Ziele erreichen können, ohne deswegen gleich alle Werte die Ihnen in finanziellen Belangen wichtig sind zu verraten.

Erfahren Sie in unserem nächsten Beitrag, wie eine klassische Rentenversicherung funktioniert und weshalb es sich für Sie lohnen könnte, sich von einer scheinbaren Sicherheit zu befreien.