Künstliche Anreize führen regelmäßig in die Irre

Was Sie jetzt besser lassen sollten – das Quantitative easing (QE) und seine Folgen

Wenn der Staat künstliche Anreize schafft, um irgendeiner Entwicklung eine gewünschte Richtung zu geben, führt das regelmäßig zu Übertreibungen, Missbrauch und unerwünschten Nebeneffekten.  Ein leuchtendes Beispiel dafür ist die Förderung alternativer Energien, bei welchem der Erfolg inzwischen seine Kinder frisst. Nicht anders ist es, wenn die Zentralbanken ihre Geldpolitik nicht nur auf die Feinsteuerung beschränken, sondern große Ziele erreichen wollen. Etwa, wenn die EZB mit tiefen Zinsen und viel flüssigem Geld die Investitionen anfeuern wollen. Das kann nur schiefgehen und es wird schiefgehen.

Künstliche Anreize haben Risiken und Nebenwirkungen

Zugegeben: die EZB will mit ihrer Geldschwemme nicht nur ein Ziel erreichen. Anzunehmen ist auch, dass das kommunizierte Ziel – dass die Banken mehr Kredite vergeben sollen, um die Nachfrage nach Investitionen anzufeuern – wohl nicht das einzige und schon gar nicht das wichtigste Ziel ihrer Geldpolitik ist. Die verdeckten Ziele, den klammen Euro-Staaten Handlungsspielraum zu verschaffen und den Banken im Euro-Raum die Möglichkeit zur Refinanzierung zu bieten, hat sie zumindest temporär geschafft. Allerdings sehen wir auch führe künstliche Anreize zu Risiken und Nebenwirkungen.

Doch zurück zu den Investitionen

Rein ökonomisch machen künstliche Anreize zu Investitionen überhaupt keinen Sinn. Zumindest nicht langfristig. Denn entweder macht ein Investment Sinn – dann sollte man aus Vernunftsgründen machen – oder es macht eben keinen Sinn und dann sollte man es unterlassen.  Unterlässt man es nicht, trägt man am Ende den Schaden. Solche Erfahrungen haben eine heilende Wirkung und sorgen dafür, dass das Geld zukünftig in sinnvollere Anlagen fließt. Das Ganze hat sich seit vielen zehntausend Jahren bewährt: wer sich die Finger verbrennt, meidet das Feuer oder geht zumindest mit Vorsicht damit um.

Investitionen müssen einen wirtschaftlichen Sinn machen. Machen sie das nur, weil der Staat seine Steuergelder verschwendet, um künstliche Anreize zu schaffen, hat die Anlage keine Zukunft. Man lässt besser die Finger davon. Diese Meinung vertrete ich nicht erst seit gestern, sondern seit ich mich das erste Mal mit deutschen Steuersparmodellen auseinandergesetzt habe.

Was am Anfang eine gute Idee war, muss es nicht bleiben

Zu Beginn war die EZB Politik des lockeren Geldes durchaus verständlich: die Banken waren nach der Finanzkrise einfach außer Stande weiter Kredite zu vergeben. Wohin das geführt hat, haben wir zum Beispiel bei der britischen Landwirtschaft gesehen, wo sich die Banken aus der Finanzierung von Landwirtschaftsmaschinen zurückziehen mussten, weil sie einfach nicht mehr in der Lage waren, alle Geschäftsfelder weiter zu bedienen. Hier führte diese Entwicklung zu alternativen Finanzierungsmodellen, wie dem PALT (mehr dazu finden Sie hier –>).

Doch mit ihrem Quantitative easing (QE)ist die EZB vom Pfad der Schadensbegrenzung abgekommen. Nun pumpt Sie Geld in den Markt und hofft, die Investoren würden die Chance nutzen uns sinnvolle Investitionen tätigen. Alleine: hätten sie diese in ihrer Schublade und würden sie an deren Erfolge glauben, würden sie diese so oder so lancieren. Tun sie aber – gerade im deutschen Mittelstand – nach wie vor nicht.

Das Quantitative easing (QE) schafft sichere Gewinner

Trotzdem wird natürlich investiert. Etwa in der Immobilienwirtschaft Deutschlands. Aber natürlich nicht dort, wo es am meisten Sinn für die Gesellschaft machen würde, sondern dort, wo die Handelnden für sich den größten Profit sehen. Und das sehen sie aktuell nicht unbedingt im langfristigen Bereich. Eher nutzen die Akteure am Immobilienmarkt die Gelegenheit, die günstigen Zinsen dazu zu nutzen, das schnelle Geld zu machen und die Risiken ihren Kunden zu überlassen.

Mit ihren Tiefen Zinsen schafft die EZB in Deutschland künstliche Anreize für Private, sich eine Immobilie zu kaufen. Und hier sind sie wieder, die Risiken und Nebenwirkungen:

Wohnen Sie noch oder haben sie noch Geld übrig?

Eigentlich ist ein Eigenheim keine schlechte Sache. Sicherheit, Altersvorsorge und so… Allerdings gilt dies nur, wenn man einen vernünftigen Preis bezahlt. Nur solche Preise findet man – gerade in den Ballungsräumen – nicht mehr. Die bezahlten Preise sind vielmehr absurd hoch (dazu später mehr). Diese Immobilien werden nur deshalb gekauft, weil die Zinsen es zulassen.

Bis zu einem gewissen Teil kann ich das gut verstehen: wenn ein völlig überteuertes Haus oder eine absurd teure Wohnung kaum mehr kostet, als die alte Mietwohnung, kann ich verstehen, dass man der Versuchung nicht widerstehen kann.

Als Finanzplaner würde ich allerdings darauf hinweisen, dass es wenig Sinn macht, praktisch das gesamte freie Vermögen in das Wohneigentum zu investieren. Denn irgendwann fließen die Euros nicht mehr zu locker und dann wird es eng.

Altersvorsorge besteht nicht nur aus Wohnen

Etwa, wenn die eigene Altersvorsorge nur noch ein Level von 35% des letzten Einkommens ausmachen und man die fehlenden Gelder durch Ersparnisse ausgleichen muss. Vermutlich wird nach Bezahlung der Kranken- und Pflegeversicherung, den ungedeckten Gesundheitskosten, der Steuern und der Unterhaltskosten für die Liegenschaft, nicht mehr allzu viel Handlungsspielraum für die Lebensgestaltung übrigbleiben.

Immerhin: wahrscheinlich haben zumindest der Projektentwickler und der Architekt keine Probleme ihr Leben im Alter zu finanzieren. Zumindest dann nicht, wenn sie ihren goldenen Schnitt zuvor nicht bereits verkokst haben.

Wohin mit dem Geld? Am besten in Immobilien…

Eine andere Fehlentwicklung sehen wir bei den Mietobjekten. Wer schon einmal in München eine Wohnung oder ein Büro mieten wollte, weiß wovon ich spreche.

Hier ist es der Anlagenotstand privater und institutioneller Anleger, welche zu geradezu perversen Verhältnissen am Markt geführt haben. Die EZB hat hier künstliche Anreize geschaffen, weil sie einer konservativen Anlegergemeinde die Möglichkeit geraubt hat, ihr Geld sinnvoll anzulegen.

Weil der Anleihenmarkt leergefegt ist (und eh keinen Zins mehr bringt), drängen diese Anleger nun in den Immobilienmarkt, wo es noch regelmäßige Einkünfte aus Mieterträgen zu holen gibt. Nicht wenige dieser Anleger tun dies nicht nur wegen fehlenden Zinswerten am Markt, sondern aus Angst vor einer möglichen Inflation (in ferner Zukunft).

Das Ganz ist nicht ohne Ironie: Weil Anlagealternativen fehlen und weil die Fremdfinanzierung so günstig ist, sind die Investoren bereit fantastische Preise zu bezahlen. In München etwa werden Preise aufgerufen, welche eine Bruttoverzinsung um 1,5% erwarten lassen. Brutto! Da ist noch kein Leerstand, kein Unterhalt, Mietausfall, keine Mietnomaden eingepreist… Unglaublich, dass so viele Leute aus Angst vor einer ausufernden Inflation, in einen ausufernd inflationären Markt investieren.

Immobilien als Handelsware

Bei institutionellen Anlegern kann ich persönlich das Ganze noch verstehen. Hier werden die Objekte nicht mit einem langfristigen Horizont gekauft. Hier wird getradet wie am Aktienmarkt. Die Objekte werden hin und her geschoben. Projektentwicklung, Anwälte, Notare, Makler ziehen ihren Gewinn raus und hoffen, dass sie nicht zu den Letzten gehören, welche von den Hunden gebissen werden.

Bei privaten Anlegern hingegen fehlt mir jedes Verständnis. Wie um alles in der Welt kann man ein solch hohe Risiken eingehen, ohne die Aussicht zu haben einen entsprechend hohen Gewinn einzufahren. Die meisten dieser wohlhabenden Privatanleger dürften schon während der normalen Haltephase einen Verlust realisieren. Wenn dann aber der Markt dereinst drehen sollte… Ich glaube nicht, dass diese Menschen eine Vorstellung haben, welches Risiko sie mit ihrem konservativen Investment eingegangen sind.

Hohe Eträge mit Sicherheit trotz tiefer Marktzinsen

Wann ist ein Geschäft ein gutes Geschäft?

Künstliche Anreize führen zu Fehlentwicklungen. Bei den Staatsfinanzen genau so, wie bei Betrieben und privaten Anlegern. Deshalb sollte man gerade dort, wo Bedürfnisse nicht auf natürliche Weise entstanden sind, sondern durch künstliche Anreize initiiert wurden, besonders vorsichtig und kritisch vorgehen. Wie gesagt: Ein Geschäft muss Sinn machen. Und zwar auch wie auch immer geartete Förderung.

Tut sie das nicht, lässt man besser die Finger davon.

Bevor Sie also das nächste Mal in Panik geraten, weil sich Ihr Bares im Wäscheschrank und der Schlafzimmerkommode stapelt, behalten Sie kühlen Kopf. So etwas wie Anlagenotstand gibt es nicht. Zumindest nicht im Moment.

Außerdem gibt es eine ganze Reihe sinnvoller Investitionsmöglichkeiten, welche weit weniger riskant sind, wie überteuertes Betongold. Sie brauchen uns nur zu fragen.

Daniel S. Batt
Eidg. dipl. Finanzplaner FA (FH)
Geschäftsführer

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