Klassische Rentenversicherung – Garantien und Kosten

Die klassische Rentenversicherung gehört seit vielen Jahrzehnten zu den beliebtesten Anlagen der Deutschen. Ihre Beliebtheit verdankt die klassische Rentenversicherung wohl dem Umstand, dass sie eine einfache und sichere Kapitalanlage darstellt, um welche man sich nach Abschluss nicht mehr zu kümmern braucht. Tatsächlich sind klassische Rentenversicherungen aber weitaus komplexere Gebilde, als die große Mehrheit der Anleger glaubt. Einfach sind Leibrenten nämlich nur nach Rentenbeginn. Dieser Beitrag will Ihnen das Wesen der klassischen Rentenversicherung näher bringen und zeigen, was sie mit dieser Anlage alles kaufen und bezahlen.

Bevor wir mit unseren Ausführungen beginnen, wollen wir uns der Frage widmen, was man vom Kauf einer klassischen Rentenversicherung (egal ob Sofortrente oder aufgeschobene Leibrente) eigentlich erwartet. Dabei beschränken wir uns auf gegenwärtige und zukünftige Abschlüsse, denn wie wir aus unserer Einleitung wissen, spielt die klassische Rentenversicherung als reines Anlageprodukt (also eine aufgeschobene Leibrente, ohne Rentenzahlung) keine Rolle mehr.

Das Hauptargument für eine klassische Rentenversicherung ist zweifellos das Bedürfnis sich ein lebenslang sicheres Einkommen zu sichern. Alle anderen Features, welche eine klassische Rentenversicherung bieten (können), sind mehr oder minder sinnvoller Ballast. Unabhängig ob diese jedoch tatsächlich ein konkretes Bedürfnis abdecken, müssen die damit verbundenen Kosten finanziert werden.

Der garantiert sichere Deckungsstock

Die klassische Rentenversicherung unterliegt ebenfalls dem magischen Dreieck der VermögensanlagenDer Deckungsstock einer Versicherung dient dazu, die Ansprüche der Versicherten abzusichern. Dies geschieht, indem die Lebensversicherungsgesellschaft das statistisch notwendige Kapital in Form sehr sicherer Kapitalanlagen bereithält. Dank dieser Kapitalanlagen ist die Gesellschaft zu jedem beliebigen Zeitpunkt in der Lage, die eingegangenen Verpflichtungen zu erfüllen.

Dieses Prinzip gilt übrigens nicht nur für die klassische Rentenversicherung, sondern auch für Kapitallebensversicherungen und die Private Krankenversicherung.

So einleuchtend das Prinzip auch ist, es hat seinen Preis. Der Preis besteht in einer nach oben beschränkten Rendite, denn auch für Lebensversicherer gelten die Gesetze welches das magische Dreieck der Vermögensanlagen beschreibt: Von den drei Zielen „Sicherheit“, Liquidität“ und „Rendite“ können immer nur deren zwei gleichzeitig voll erfüllt werden.

Der Garantiezins, eine der wichtigsten Argumente der klassischen Rentenversicherung und Kapitallebensversicherung. In dem oben genannten Zusammenhang stellen wir fest, dass es sich hier um eine weitere Verpflichtung handelt, welche über den Deckungsstock abgesichert werden muss. Was also an sich bereits wie eine Bremse auf die Rendite wirkt, verstärkt sich in einem Zinsumfeld, das nach unten tendiert, zusätzlich. Bleiben die Zinsen über eine längere Zeit im Keller, wird die hohe Garantierendite der Vergangenheit für das ganze Versicherungssystem zur Hypothek.

Die Rückgewähr – Rentengarantiezeit

Der Deckungsstock einer klassischen Rentenversicherung funktioniert wie ein Ausgleichsbecken: Egal ob eine versicherte Person vorzeitig verstirbt oder länger als der Durchschnitt lebt, der Deckungsstock sorgt für den nötigen Ausgleich und sichert die Ansprüche aller Rentenbezüger. Mit anderen Worten: Wer früher stirbt, finanziert die Langlebigkeit der anderen.Klassische Rentenversicherung und ihre Funktionsweise

Dieses Prinzip wird durch die Rentengarantiezeit, bzw. die Prämienrückgewähr ausgehebelt. Denn eigentlich würde das oben beschriebene Prinzip eine Auszahlung nach Rentenbeginn (sei es an die Nachkommen oder aus Rückkauf) eigentlich ausschließen. Trotzdem sehen die meisten Verträge eine Auszahlung für den Fall vor, dass der Versicherungsnehmer vorzeitig verstirbt.

Diese Auszahlung, Rentengarantie oder Rückgewähr genannt, ist eine zusätzliche Hinterbliebenenversicherung, welche ihren Preis hat. Den Preis bezahlen die Versicherten in Form tieferer Renten.

In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass die Versicherungsgesellschaften es vorziehen, wenn ihre Versicherten die Option der Rentengarantiezeit wählen. Hintergrund ist, dass dadurch die leidigen Diskussionen mit Erben wegfallen, welche das Prinzip des Risikoausgleiches nicht verstanden haben und deshalb die Rückzahlung von nicht bezogenen Leistungen beklagen.

Die klassische Rentenversicherung als Schutz vor dem Risiko der Langlebigkeit

Die wichtigste Sicherheitskomponente einer klassischen Rentenversicherung ist natürlich die Absicherung des Langlebigkeitsrisikos. Mit ihr stellen die Versicherungsnehmer sicher, dass sie auch dann noch ein festes Einkommen erhalten, wenn das ursprünglich eingesetzte Kapital dafür eigentlich nicht mehr ausreicht, bzw. vollständig aufgezehrt ist.

Wie bereits dargelegt, wird diese Sicherheit durch einen Risikoausgleich innerhalb der Versichertengemeinschaft abgesichert. Die einzige Schwierigkeit in diesem Zusammenhang besteht darin, dass die Gesellschaften den mutmaßlichen Bedarf richtig kalkulieren. Weil die durchschnittliche Lebenserwartung jedoch nicht stabil ist, sondern vielmehr seit Jahrzehnten stetig steigt, muss die Gesellschaft sehr vorsichtig kalkulieren. Eine vorsichtige Kalkulation bei der klassischen Rentenversicherung bedeutet jedoch, dass die Rentenhöhe tiefer angesetzt wird, als dies eigentlich angezeigt wäre.

Dieser Puffer fließt, sollte er nicht notwendig sein, später in Form von Überschüssen wieder an die Versicherten zurück. Zumindest an diese, welche nicht das Pech haben vorzeitig zu versterben.

Zusammenfassung

Wer sich für eine klassische Rentenversicherung entscheidet, tut das in aller Regel, weil er oder sie sich ein lebenslanges Einkommen wünscht. Als kostenpflichtige Zusatzleistung erhalten die Versicherten eine absolut planbare Entwicklung des Rückkaufswertes, einen minimalen Garantiezins (welcher Mehrrenditen im Wege steht) und eine Hinterbliebenenvorsorge, welche selten einen zielgerichteten Nutzen stiftet, sondern einzig dazu dient, die Erben ruhig zu stellen.

Wer darauf angewiesen ist eine möglichst hohe Rente zu erhalten, reduziert diese Nebenleistungen auf ein Minimum oder lässt sie ganz weg. Stattdessen ist zu empfehlen, sich auf das einzig wichtige Ziel, eine möglichst hohe Garantierente zu erhalten, zu fokussieren. Mit einer klassischen Rentenversicherung lässt sich dies nicht darstellen. Wohl aber mit einer Garantierente.

In unserem nächsten Beitrag erfahren Sie mehr über die Garantierente und ihre Möglichkeiten. Garantierenten sind die Alternative zu der klassischen Rentenversicherung, weil sie lediglich die Höhe der lebenslangen Rente garantieren.