Gemischte Fonds – Wenn eine Geldanlage weder Fisch noch Vogel ist (Teil 2)

Weshalb ein (kluger) Finanzplaner keine gemischten Fonds einsetzt

Im ersten Teil dieses Beitrages (den Sie hier finden–>) habe ich aufgezeigt, dass gemischte Fonds (Mischfonds) eigentlich nur Banken dienen, weil sie höhere Provisionen und laufende Einnahmen bringen. Für den Anleger sind gemischte Fonds hingegen im besten Falle eine Enttäuschung.

Doch das ist nicht der einzige Grund, weshalb ich als Finanzplaner dringend davon abrate, Geld in gemischte Fonds zu stecken. Diese haben nämlich neben der ungünstigen Kostenstruktur und einem meist erbärmlichen Leistungsausweis auch noch finanzplanerische Nacheile.

Gemischte Fonds werden vor allem einer eher konservativen Klientel angedient. Also Menschen, welche eigentlich Angst davor haben Geld zu verlieren, dank der Beratungsleistung der Bank jedoch bereit sind, es trotzdem mit Aktien zu versuchen. Dabei gibt es Abstufungen von 25 – 75 % Aktienanteil – je nachdem wie „aufgeschlossen“ die Anleger sind.

Gemischte Fonds sind ein Produkt aus der Giftküche des Marketings

Warum macht man das? In erster Linie werden solche Produkte natürlich verkauft, weil man – wie ich bereits erwähnt habe – damit gutes Geld verdient. Als Bank, nicht als Kunde versteht sich …

Der Trick ist, dass man dem Kunden eine höhere Rendite versprechen kann und dabei so tut, als wäre das Risiko sehr gering. Ganz abgesehen von der praktischen Erfahrung, dass das mit der modern Portfolio Theorie so nicht funktioniert, die Verluste also deutlich höher sein können, als in der Beratung suggeriert, ist das einfach nur dumm.

Es gibt in genau zwei Gründe, weshalb Anleger Probleme mit Verlusten haben:

1. Sie können es sich nicht leisten, Geld zu verlieren, weil dann Ihre Ziele ganz oder teilweise gefährdet sind.

2. Sie können es nicht ertragen Geld zu verlieren, weil sie zum Beispiel hart dafür gearbeitet haben.

Keine Aktien für Menschen die keine Verluste sehen können

Aus finanzplanerischer Sicht sollte die Zielgruppe der konservativen Anleger schlicht und ergreifend keine Aktienanlagen zeichnen. Wirtschaftlich ist das zwar bedauernswert, weil es die Möglichkeiten extrem einschränkt, ohne die Risiken wirklich zu eliminieren, aber ein bescheidenes Leben mit dem Gefühl von Sicherheit ist allemal besser, als ein durch Angst belastetes. Es liegt in der Entscheidungshoheit der Anleger, welche Konsequenzen ein bestimmtes Anlageverhalten hat. Punkt.

Den ängstlichen ist also nicht zu helfen. Den Menschen mit einer beschränkten Risikofähigkeit jedoch sehr wohl.

Finanzplan hilft Ängste zu nehmen

Ob Menschen mit einer beschränkten Risikofähigkeit in Aktien investieren können, klärt man mit einem fundierten Finanzplan ab. Hier können wir mit verschiedenen Szenarien prüfen, wie groß der maximale Verlust sein darf, damit die angestrebten Ziele (und vor allem die Zwischenziele) sicher erreicht werden kann. Daraus leitet sich dann ab, wie viel Geld in „riskantere“ Anlagen investiert werden kann. Damit erhalten die betroffenen Anleger eine klare Botschaft: Egal was passiert, im schlimmsten Fall erreichst Du Deine Ziele trotzdem. Im Besten schießt Du deutlich darüber hinaus und öffnest Dir neue Möglichkeiten.

Dieses Gefühl von Sicherheit ist Sicherheit. Den es verhindert die größte Gefahr im Umgang mit Kapitalanalgen: dass die Anleger aus Bedarfsgründen oder in einem Anfall von Panik ihre Geldanlage zum dümmsten aller Momente verkaufen müssen.

Eine theoretische Ausgangslage wie sie praktisch oft vorkommt

Das sieht an einem Beispiel wie folgt aus:

Ein Ehepaar hat 100.000 € anzulegen. Damit alle ihre Ziele sicher erreicht werden können und sie auch noch einen Puffer für Unvorhergesehenes haben, stehen ihnen

15.000 € als Cash Reserve

75.000 € für konservative Geldanlagen

10.000 € für dynamische Kapitalanlagen

zur Verfügung. Wie gehe ich nun bei der Auswahl der passenden Vermögensanlagen vor?

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Klassisches Lösungsmodell – der einfachste Weg zum Ertrag (für die Bank)

Wäre ich ein gewissenloser Finanzvertriebler oder Banker, würde ich feststellen, dass man bis zu 10.000 € in Aktien anlegen kann (was ja grundsätzlich stimmt). Mein Vorschlag wäre, 40.000 € in einen Mischfonds zu investieren, dessen Aktienquote bei 25 % also 10.000 € liegt. Warum ich das so machen würde?

Weil dank der negativen Korrelation von Aktien und Anleihen Börsenturbulenzen viel besser aufgefangen werden können. Das Geniale an dieser Wechselwirkung ist, dass man damit nicht nur das Risiko senkt, sondern gleichzeitig die Rendite erhöht! Zu einem Mischfonds gibt es eigentlich keine Alternative!

Soweit der vorbereitete Text, welchen man als Gewissenshalunke seinem Kunden über den Tresen schiebt.

In Wirklichkeit ist es aber so, dass man für Mischfonds eine deutlich höhere Provision erhält, wie für konservative Rentenfonds. Sprich: Die Bank erhöht für 30.000 € Anlagesumme die Provisionseinnahmen.

Der Beschiss endet nicht bei der Provision

Die Anlage selber kostet übrigens danach im Unterhalt auch deutlich mehr als vergleichbare Einzelfonds. Mehrkosten, welche die Renditechance des Anlegers deutlich minimieren. Wir erkennen hier also einen spürbaren Interessenskonflikt zwischen Anleger und Bank …

Die Enttäuschung ist bei Mischfonds also bereits im System fest eingebaut. Sie wird noch größer, wenn es tatsächlich zu Verwerfungen an der Börse kommen sollte. Denn dann wird klar, dass es mit der negativen Korrelation der Wertpapiere in Mischfonds nicht weit her ist. Die Verluste werden also keineswegs kleiner sein, als versprochen.

Typische Krisenbewältigung von Anlegern

Was sieht nun der Anleger? Sein Verlustpuffer beträgt 10.000 Euro, jetzt gerät aber eine Anlage mit einem Volumen von 40.000 € ins Rutschen. Kann man da einem Börsenlaien verübeln, wenn er nun seine ganze Anlage in Panik veräußert und damit mit Verlust auf dem Papier, zu Verlusten auf dem Konto macht? Wohl nicht.

Eigentlich mache die Anleger nun sogar das Richtige: raus aus dem Müll, welcher aufgrund der Kostenstruktur niemals in der Lage sein wird, die Verluste adäquat auszugleichen (Die Verluste auszusitzen macht bei der zu erwartenden Performance von gemischten Fonds einfach keinen Sinn!).

Blöd ist nur, dass diese Anleger danach überhaupt keine Lust mehr verspüren werden, Geld anzulegen. Wegen ihrer schlechten Erfahrung werden Sie deshalb beim guten alten Sparkonto bleiben und dort Jahr für Jahr einem sicheren Wertverlust entgegenblicken.

Das macht der Finanzplaner – zumindest der weitsichtige und ehrliche!

Stellt sich die Frage, ob es nicht sinnvoller gewesen, wäre folgende Vermögensaufteilung vorzunehmen:

10.000 € in einen Indexfonds

75.000 € in einen Rentenfonds

15.000 € in Cash

Persönlich hätte ich in der aktuellen Marktsituation sogar kein Problem damit, wenn man vorerst nur die 10.000 € in Aktien investiert hätte, um Erfahrungen und Vertrauen zu sammeln. Aber der Beitrag soll ja nicht nur die heutige Anlagesituation widerspiegeln.

Es kommt zu Verwerfungen an den Finanzmärkten. Worstcase: 99 % des Wertes des Aktienfonds sind verloren. Genau dieses Szenario spreche ich mit meinen Mandanten durch! Sollte der absolut unwahrscheinliche Fall eintreten, dass dieses Szenario eintritt, wissen die Kunden, dass ihre Pläne nicht gefährdet sind. Natürlich gibt es Grund zu Frust, aber keinen Anlass zu Panik.

Temporäre Verluste bei Aktien sind das Normalste der Welt

Deshalb wird der Aktienfonds auch nicht verkauft und hat Zeit und Chance sich wieder zu erholen. Genau so, wie das in den letzten 100 Jahren immer geschehen ist. Und sollte sich diese Geschichte nicht wiederholen, wären die Ziele der Mandanten nur in der Theorie nicht gefährdet. Wenn sich Aktienbörsen nicht erholen, werden auch Anleihen nicht zurückbezahlt, gibt es für die meisten Menschen keine Arbeit mehr, ist das Rentensystem erledigt und die Gesellschaft auch sonst im höchsten Masse gefährdet.

Ach ja: Die jährlichen Kosten dieses Indexfonds liegen bei verschmerzbaren 0,2 % pro Jahr. Mehr als zehnmal tiefer, als die gängigsten Mischfonds-Verbrechen, welche man am Markt findet.

Verkaufen ob es Sinn macht oder nicht

Neben dem Katastrophenszenario gibt es auch noch ein Normalszenario, bei welchem sich die strikte Trennung von Aktien und Anleihen empfiehlt.

Angenommen unsere Musterfamilie braucht früher als gedacht eine größere Summe. Sie muss also auf jeden Fall Anlagen veräußern. Bei jedem gehandelten Wertpapier finden wir Kursschwankungen und damit gute und weniger gute Momente des Verkaufs.

Bei einem gemischten Fonds habe ich keine Wahl, welche Wertpapiere ich nun veräußern will und welchen ich noch die Chance geben will, sich nach einem temporären Verlust wieder zu erholen. Ich muss alle Anlageklassen im vorgegebenen Verhältnis verkaufen. Damit realisiere ich Verluste, welche ich nie mehr ausgleichen kann. Dumm.

Das wäre in etwa so, als würde ich in eine Fruchtschale greifen, um meinen 3 Kindern eine Banane zu geben und nicht darauf achten, welche schon reif und welche unreif sind. Dass die reifen Bananen morgen überreift und übermorgen faul sind, die unreifen heute aber nicht schmecken, fände keine Beachtung. Hauptsache Banane.

Sie müssen nicht Börsenexperte / Börsenexpertin, Marktfrau oder Gemüsehändler sein, um zu verstehen, dass eine solche Vorgehensweise nicht besonders weise ist.

Deshalb: Mischfonds sind einfach nur Mistfonds. Lassen sie die Finger davon und trennen Sie die Anlageklassen. Wenn Sie schon einen gemischten Fonds ihr eigen nennen, dann verkaufen Sie ihn am Besten so schnell wie möglich.

Daniel S. Batt
Dipl. Finanzplaner FA (FH)
Geschäftsführer

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