Dividendenwerte statt Staatsanleihen?

Sind Dividendenwerte die besseren Rentenpapiere?

In einem Beitrag der FAZ werden Dividendenwerte (Aktien, welche hohe Dividenden ausschütten) als die besseren Staatsanleihen dargestellt. Dieser Ansatz ist zumindest originell (wenn inhaltlich natürlich nicht ganz neu). Persönlich halte ich solche pointierten Aussagen jedoch aus verschiedenen Gründen für gefährlich und falsch.

Dass man dank den Interventionen der EZB mit Staatsanleihen keinen Staat mehr machen kann (verzeihen Sie mir dieses Wortspiel), hat keinerlei Neuigkeitswert. Wenn die Zinsen nicht gerade unter dem Nullpunkt liegen, reicht er zumindest nicht mehr aus, die (langsam aufkeimende) Inflation auszugleichen. Und da sprechen wir noch nicht einmal von der Steuerbelastung und den übrigen Kosten. Es ist also kein Wunder, wenn Anleger jeder Größe und Ausrichtung verzweifelt nach Alternativen suchen.

Und es gibt sie – keine Frage. Alternativen gibt (außer in der Politik) immer.

Nicht jede Alternative macht Sinn:

  • Wenn wir einmal die Erträge ausblenden, müssen wir feststellen, dass Dividendenwerte mit Staatsanleihen relativ wenig gemein haben.
  • Die Dividenden sind nicht garantiert
  • Das Kapital ist nicht befristet, sondern grundsätzlich unbefristet angelegt. Statt einer garantierten Rückzahlung muss man seine Titel am Markt (Börse) zum Kurswert verkaufen. Dieser kann höher oder tiefer sein, als der ursprünglich investierte Betrag. Das senkt die Planungssicherheit.
  • Wegen den möglichen Kursverlusten müssen Dividendenwerte – im Gegensatz zu Staatspapieren – dauernd überwacht werden.
  • Dividendenwerte bieten einerseits zwar ein unbegrenztes Gewinnpotential, aber eben auch ein 100%iges Verlustrisiko. Im Gegensatz zu Staatsanleihen (bester Güte), welche zumindest sehr sicher sind (das mit der absoluten Sicherheit ist ja bekanntlich Geschichte).

Dividendenwerte sind deshalb – unabhängig von den finanzplanerischen Aspekten –  ein Stressfaktor für viele private Anleger, welcher nicht selten den Vorteil des Mehrertrages mehr als ausgleicht.

Dividendenwerte sind kein Ersatz für Staatsanleihen

Wer glaubt, Staatsanleihen durch Dividendenwerte ersetzen zu müssen, weil ihm/ihr der Zinsertrag nicht genügt, unterliegt also entweder einem Denkfehler oder hat in Bezug auf die bisherige Vermögensverwaltung ziemlich viel falsch gemacht.

Für Privatanleger gilt zumindest, dass Dividendenwerte nur dort Sinn machen, wo man einerseits fähig ist sein Kapital langfristig anzulegen und andererseits zu jeder Zeit Verluste verkraften kann.

Wer diese Grundsätze (basierend auf einer soliden Finanzplanung) nicht eingehalten werden können, sind Dividendenwerte alles andere wie eine sinnvolle Alternative. Und wo dieser Spielraum in der Vergangenheit nicht genutzt wurde, hat man vermutlich ziemlich viel Geld verschenkt. Vielleicht hat man es nicht gemacht, weil man sich der Chancen nicht bewusst war. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass man es aus Angst vor dem Risiko nicht getan hat. In diesem Falle ist wohl auch ein möglicher Mehrertrag kein ausreichender Grund, Pferd und Reiter zu wechseln.

Dividendenwerte sind Dinosaurier

Sie spüren vielleicht, dass ich von dem Ansatz, aus Gründen des fehlenden Ertrags von Staatsanleihen auf Dividendenwerte umzusatteln, nicht viel halte. Nicht weil ich gegen die Dividendenwerte an sich etwas hätte, sondern weil ich daran zweifle, ob diese Anlagenklasse geeignet ist die Erwartungen von risikoscheuen Anlegern, welche bisher Aktien wie die Pest gemieden haben, zu erfüllen.

Es gibt noch einen Grund, weshalb ich gegenüber Dividendenwerten meine Vorbehalte habe: Es sind die Dinosaurier unter den Aktien. Und die Dinosaurier sind ja bekanntlich ausgestorben.

Wir müssen uns bei jedem langfristigen Investment nämlich die Frage stellen, wie es um die Zukunftsaussichten der Branche im allgemeinen und der Firma im speziellen steht.

In diesem Zusammenhang müssen wir hinterfragen, weshalb diese Firmen ihre Aktionäre regelmäßig mit hohen Dividendenzahlungen beglücken.

Fehlende Wachstumsperspektive

Firmen, welche jährlich durch hohe Dividendenzahlungen glänzen (Dividendenwerte), sind im Idealfall auf einem geschlossenen Markt ohne Konkurrenz tätig. Sie haben keine Möglichkeit im angestammten Geschäftsfeld zu wachsen. Sie müssen lediglich dafür sorgen, dass ihre Stellung nicht in Frage gestellt wird. Forschung und Entwicklung, große Investitionen oder Marketingaufwendungen bringen da kaum einen Mehrwert. Entsprechend kann man das überschüssige Kapital in Form von Dividenden an die Aktionäre auszahlen.

Solche Titel gibt es tatsächlich. Ihre Zahl ist jedoch begrenzt. Außerdem hat die Suche nach auskömmlichen Erträgen in der jüngsten Vergangenheit dazu geführt, dass diese Werte sehr teuer und die Renditen der Dividendenzahlungen entsprechend gesunken sind.

Fehlender Risikobonus

Wer das Kursrisiko von Aktienanlagen in Kauf nimmt, müsste eigentlich darauf achten, dass er/sie für dieses Risikoangemessen entschädigt wird. Eine Rendite von 2-4% ist für sich gesehen keine adäquate Entschädigung für ein Kursrisiko von 30-50%!

Um die notwendige Risikoprämie zu kassieren, muss die Aktie neben den Dividenden auch ein nennenswertes Wachstumspotential haben.  Dazu sind aber Investitionen in Forschung, Entwicklung, Infrastruktur und Marketing notwendig. Je mehr, desto besser.

Spannende Aktien mit Wachstumsperspektiven zahlen deshalb keine oder kaum nennenswerte Dividenden. Sie können ihr Geld sinnvoller einsetzen und ihre Aktionäre durch Wachstum (und Kursgewinnen) bei Laune halten.

Kursichtig in eigener Sache

Wenn das Management trotzdem darauf achtet, dass die Dividendenrendite hochgehalten wird, ist dies also in doppelter Hinsicht ein Warnsignal: Glaubt die Führung nicht an Wachstum oder opfert sie das Wachstum ihren privaten Interessen? Hinweis: Viele Topmanager werden nicht zuletzt auf der Basis der Entwicklung des Aktienwertes entlohnt. Wenn also mit Dividenden die Aktienkurse in die Höhe getrieben werden, so geschieht das meist mit Blick auf die eigenen kurzfristigen Interessen. Mittel- und langfristig ist diese Entwicklung für solche Firmen jedoch tödlich.

Wir sehen dies typisch am Beispiel der Deutschen Bank, welche gezielt ihr Eigenkapital gezielt ausgehöhlt hat. Und wir sehen dies auch bei Versorgern (eigentlich klassische Dividendenwerte), welche nicht in ihre Infrastruktur investieren und so irgendwann vom Investitionsstau eingeholt werden. Klassische Beispiele sind hier die britischen Wasserversorger.

Aktien ja, aber nicht als Ersatz von Staatsanleihen

Als Anlageklasse können Aktien richtig Spaß machen und ich bin sehr wohl dafür, Sie einen Teil Ihres Vermögens in Beteiligungspapiere investieren. Dividendenwerte sind dabei durchaus eine Möglichkeit, aber keinesfalls Alternative zu Staatsanleihen. Dazu sind die Eigenschaften von Aktien und Rentenpapieren einfach zu unterschiedlich.

Wenn Sie in Aktien investieren, sollten Sie darauf achten, dass Sie ein möglichst günstiges Chance/Risikoverhältnis erhalten. Wer mit den Unwägbarkeiten der Börse umgehen kann, wird langfristig mit Wachstumswerten vermutlich besser fahren So oder so ist man als Aktionär jedoch gezwungen, seinen Kapitalanlagen die notwendige Aufmerksamkeit zu widmen. In dieser Beziehung liegen auch zwischen den klassischen Dividendenwerten und den langweiligen Staatspapieren Welten.

Daniel S. Batt
Dipl. Finanzplaner mit eidg. FA (FH)
Geschäftsführer

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