Die Trumpsche Meinungsblase

Im Sog der Meinungsblase gefangen

Es ist erst ein paar Wochen her, da beherrschten „Meinungsblasen“ die öffentliche Diskussion. Inzwischen wurde das Thema beerdigt. Abgelöst von täglichen Horrormeldungen, welche uns aus den Vereinigten Staaten erreicht. Kein Tag vergeht, da der neue US Präsident nicht für blankes Entsetzen im beschaulichen Europa sorgt. Im zivilisierten Teil zumindest.

Gefangen im allgemeinen Kanon

Tatsächlich unterscheidet sich unsere Meinungsbildung von den Entwicklungen in Übersee in keinster Weise von den Vorstellungen, welche wenige Tage zuvor über die Stimmungsmache in den sozialen Netzwerken kritisiert wurde. Wir befinden uns inmitten einer großen Blase, weil die überwältigende Mehrheit der Mainstream-Medien (im AfD-Jargon liebevoll „Lügenpresse“ genannt) sich auf das Thema in einer Art Kanon eingeschossen hat.

Damit wir uns richtig verstehen: Mir ist dieser aufgeblasene Pfau mit seiner güldenen Fake-Attitude bis ins Mark unsympathisch. Vermutlich gibt es kein einziges Thema, wo ich mit ihm in Inhalt und Form übereinstimme. Er ist die Pest. Aber gerade weil ich ihn nicht ausstehen kann und seine „Politik“ als kurzsichtig und dumm einstufe, muss ich mich davor in Acht nehmen, dass ich nicht in einen unsäglichen Sog der gegenseitigen Selbstbestätigung gerate.

Anleger sollten alle Fakten betrachten

Geschlossene Meinungsblasen bilden nämlich nicht nur für rechte Grenzdemokraten eine reale Gefahr. Auch Normalbürger und Kapitalanleger drohen in Zeiten wie diesen, in eine Meinungsspirale gezogen zu werden. Ist man erst einmal darin gefangen, nimmt man selektiv nur noch diese Informationen wahr, welche dazu geeignet sind, die nächste Stufe der Eskalation zu erreichen.

Wer sich in einer Meinungsblase befindet, hat darum nur noch eine Teilsicht auf die relevanten Entscheidungskriterien. Eine ganz schlechte Voraussetzung für gute Anlageentscheide.

Natürlich steht es jedem Anleger / jeder Anlegerin zu, eine eigene Meinung und ein festes Weltbild zu haben. Es ist jedoch ein Unterschied, ob wir aufgrund unserer Subjektivität (aber in Kenntnis aller Fakten) einen Entscheid fällen oder ob wir mit einem sehr einseitgen Halbwissen operieren.

Schwarz/Weiß Denken hilft nur Sektenführer

Die aus meiner Sicht durchaus nachvollziehbare Hysterie im Zusammenhang mit der Präsidentschaft von Quickfinger Trump, sollte uns nicht dazu verleiten, die Welt nur noch in Schwarz und Weiß zu sehen. Und schon gar nicht nur in Schwarz. Eine solche Denke führt zwangsläufig in eine Spirale des Todes.

Wir haben das Waldsterben, die Volkszählung, Reagan und das nukleare Wettrüsten, Bush, Berlusconi, ja sogar den dicken Sigi als Wirtschaftsminister überlebt. Vermutlich wird die Menschheit auch Donald Trump überleben. Und weil das so ist, sollten wir nicht in Schockstarre verfallen, nur weil wir das Ende der zivilisierten Welt erwarten. Wie obige (unvollkommene) Aufstellung zeigt, könnte es durchaus sein, dass die Apokalypse ausbleibt oder zumindest verschoben wird.

Auf der Welt läuft aktuell einiges schief – aber keineswegs alles

Also, wenn Sie wie ich der Meinung sind, dass die Entwicklung in den USA (wie auch in anderen Teilen der Welt – Polen, Ungarn, Rumänien, Türkei…) in eine völlig falsche Richtung läuft, sollten Sie nicht nur Medienberichte verinnerlichen, welche genau diese These stützen. Bleiben Sie offen für alle Entwicklungen. Fällen Sie Ihre Anlageentscheide nicht auf der Basis von Angst, sondern behalten Sie einen kühlen Kopf: Wo sind die Risiken und wo liegen Gefahren? Wer profitiert und wer verliert?

Widerstand kann sich rechnen

Mir ist bewusst, dass es nicht leicht ist, sich durch den Mainstream nicht mitreißen zu lassen. Aber Widerstand lohnt sich: überdurchschnittliche Erfolge entstehen naturgemäß durch ein Verhalten, welches sich vom Durchschnitt abhebt. Haben Sie Mut zu einer eigenen Wahrnehmung.

Konzentrieren Sie sich bei Ihren Auswahlentscheiden also in erster Linie auf die positiven Erwartungen. Wenn Sie sich auf der Basis ihrer Erfolgserwartungen grundsätzlich entschieden haben, prüfen Sie diesen Entscheid unter Berücksichtigung möglicher Negativszenarien. Können Sie die möglichen Risiken beherrschen? Wenn ja, wie?

Wohin führt der Trumpismus?

Vermutlich wird Trump in den Anfangsphasen seiner „Regentschaft“ einen sehr positiven Einfluss auf die Aktienbörsen haben. Dafür spricht zum Beispiel, dass er die Banken von ihren Fesseln befreien, die Industrie von Umweltauflagen entlasten und Infrastrukturprojekte auf den Weg bringen will.

Wohin das am Ende genau führt, kann niemand mit Sicherheit vorhersagen. Sicher ist, dass dies alles einen Preis haben wird, denn im Grunde handelt es sich hier um einen ungedeckten Scheck (Banken handeln mit Schulden, die Industrie produziert zu Lasten zukünftiger Generationen, die öffentlichen Ausgaben sind nicht durch Einnahmen gedeckt). Die Wirtschaftspolitik könnte zu einem Währungskrieg und einer Abschottung der internationalen Märkte führen. Das Alles führt nach dem Stand der Lehre zu massiven Wohlstandsverlusten.

Was können Sie schon tun…?

Aber Hand aufs Herz: all diese schrecklichen Perspektiven kommen so oder so. Sie haben als Anleger/in die Möglichkeit davon zu profitieren und sich somit einen Puffer für schlechte Zeiten aufzubauen. Verlieren werden Sie am Ende vermutlich so oder so. Die Frage ist also nur, von welchem Niveau Sie starten.

Alternativ können Sie sich in Ihrer Wahrnehmungsspirale gemütlich machen und warten, bis die Welt in sich zusammenfällt. In diesem Falle empfehle ich Ihnen, Ihr Geld in Gold zu investieren und es im Wald zu vergraben. Dort ist es sicher. Vielleich (siehe Link).

Daniel S. Batt
Dipl. Finanzplaner mit eidg. FA (FH)
Geschäftsführer

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