Bitcoins

Bitcoins, Gold, egal – Hauptsache eine hohe Rendite

Es war um die Jahrtausendwende, als ich als Anlagenberater bei einer großen Schweizer Bank tätig war. Damals wurden wir beinahe täglich mit Kunden konfrontiert, welche von uns nur eines erwarteten: eine hohe Rendite. „Wieviel Rendite können Sie mir bieten?“, war damals die Standardfrage, man meinen Kollegen und mir stellte. Etwas Ähnliches erlebe ich heute im Zusammenhang mit den Blockchains, von denen die Bitcoins nur die bekannteste ist.

Wie genau funktionieren Bitcoins schon wieder?

Ganz ehrlich. Ich habe von Bitcoins keine Ahnung. Besser, mir fehlt das tiefere Verständnis dahinter. Ein Geldersatz, welcher deshalb so geil ist, weil sein Wert in dem zu ersetzenden Geld, einen enormen Zuwachs erfährt? Hä!!??

Vermutlich sind Blockchains tatsächlich eine tolle Geschichte. Zumindest in der Theorie und auch nur dann, wenn das Ganze etabliert. Also dann, wenn der Wert stabil ist, bzw. nur noch durch die Wertschöpfung dahinter im Preis nach oben getrieben wird. Eine Art Vollgeld also.

Davon sind wir aber mit Verlaub noch ziemlich weit entfernt. Bis wir den Weg zurückgelegt haben, finanzieren brave Kleinbürger den Ruhestand von Kriminellen, welche ihr Geld aktuell nicht nur über Bitcoins waschen können, sondern damit steinreich werden. Aber was zählt die Moral schon, wenn das große Geld winkt.

Die Blockchains lösen eine Goldrush aus

Die enormen Gewinne. Welche mit Bitcoins möglich sind, haben viele kleine Anleger Blut lecken lassen. Sie wollen dabei sein, wenn man mit nichts als Einsern und Nullen ein Vermögen machen kann. Das haben wir wie gesagt zur Jahrtausendwende schon gehabt.

Schon damals haben viele geldgeile Kleinanleger versucht mit Aktien reich zu werden. Wir, also meine Kollegen und ich, haben ihnen damals keine Hand dazu geboten. Deshalb sind diese Goldgräber, weil wir uns nicht zu Versprechen wie „mindestens 18%!“ haben hinreißen lassen, weitergezogen. Zur nächsten Bank, um dort mit einem besseren Angebot als „Kommt darauf an. Die Börse bietet unendlich hohe Gewinnchancen, bei einem beschränkten Verlustrisiko von lediglich 100%!“ bedient zu werden.

Aktienanlagen sind im Vergleich zu Bitcoins eine leicht zu verstehende Materie. Trotzdem hatten damals wie heute die allermeisten Menschen keine wirklich Vorstellung, um was es bei Aktien genau geht. Vielmehr hat man das Gebrabbel von sogenannten Börsenexperten ungeprüft übernommen und weiterverbreitet, als sei man mit echtem Expertenwissen gesegnet. Wer unter solchen Voraussetzungen investiert, wird leicht zum Opfer von Bauernfängern.

Gier als Ratgeber? Keine gute Idee

Das ist bei Bitcoins nicht anders. Hinter dem Boom der Blockchains steckt kaum Wissen, aber extrem viel Gier, Erwartung und reine Spekulation. Man muss nicht alt, verbohrt und konservativ sein um das als ungenügende Grundlage für ein Investment zu sehen. Es reicht schon ein bisschen Lebenserfahrung und ausreichende Menschenkenntnisse um den Mechanismus (nicht hinter den Bitcoins, sondern hinter der Kursexplosion) zu verstehen.

Es ist auch klar, wie das Ganze enden wird. Vermutlich wird das Gejammer danach groß sein. Es ist anzunehmen, dass die selben Zeitungen, welche heute die Spekulationsblase anheizen, morgen von den armen Großmüttern berichten, welche von den lieben Beratern der Volks- und Raiffeisenbanken oder der Sparkasse zu einem todsicheren Investment verführt wurden und heute vor dem Nichts stehen. (Dass ich die Deutsche Bank und ähnliche Häuser in diesem Zusammenhang nicht nenne, hat einen einfachen Grund: Diese waren in der Vergangenheit in jeden kriminellen Akt verwickelt. Von denen erwartet man eigentlich nichts anderes.)

Kleine Investmentempfehlung (kostenlos – nicht einmal mit Bitcoins zu kaufen)

Um wieder auf die Goldgräberstimmung zurück zu kommen. Hier ein paar einfache, kleine Tipps:

  • Keine Anlagen zeichnen, die man nicht voll und ganz versteht.
  • Nie Kapitalanlagen kaufen, von denen man weiß, dass schon viele innerhalb kürzester Zeit damit reich geworden sind. Diese wurden nämlich in aller Regel nur deshalb reich, weil sie sich auf Kosten anderer bereichert haben.
  • Niemals in etwas investieren, hinter dem keine klare Wertschöpfung steht. Zur Erinnerung: Die Wertschöpfung ist ein Prozess, an dessen Ende neue Werte entstanden sind. Das ist bei Spekulationsobjekten aber nie der Fall.
  • Wenn Papier geduldig ist, wie steht es erst mit Dingen im Cyberspace? Geben Sie darum niemals Geld her für Anlagen, deren Prozesse Sie nicht von A bis Z nachvollziehen und kontrollieren können.

Wenn Sie in Wertanlagen investieren, welche sich durch eine hohe Volatilität (Schwankungsbreite) auszeichnen, sollten sie sehr, sehr lange investiert bleiben können. Ich wette, dass sie diese Zeit mit den Bitcoins nicht haben werden. Selbst wenn sich das Prinzip der Blockchains durchsetzen würde, ist es unwahrscheinlich dass es der Staat zulassen würde, dass riesige Geldströme dauerhaft am Fiskus vorbeiziehen. Deshalb haben Bitcoins keine große Zukunft.

Lassen Sie sich also wegen des allgemeinen Rummels um die Bitcoins und andere Blockchains nicht kirre machen. Freuen Sie sich besser auf das Spektakel, wenn die Luft aus der Blase wieder entweicht. Dann wird das Wehklagen groß und niemand will Schuld sein, dass es soweit gekommen ist. Mir egal. Wer gierig ist, muss nicht geschützt, sondern bestraft werden. Wenn nicht vom Fiskus, dann eben vom Leben.

Daniel S. Batt
Dipl. Finanzplaner mit eidg. FA (FH)
Geschäftsführer

 

Related Posts
platzt die Blase an den Börsen und Sachwert-Märkten