Ausländer raus!

Ausländer raus!

Sie vermuten richtig: Der Titel „Ausländer raus!“ dient in einer Finanzkolumne nur dem Zweck, die Leserbasis zu vergrößern. Zumindest beinahe. Denn eigentlich geht es mir heute darum, worauf man bei der Portfoliostruktur achten muss. Keine wissenschaftliche Abhandlung zur Portfoliostrukturanalyse, sondern ein paar logische Gedanken, welche sich auch weniger geübte Laien eigentlich wunderbar selber machen könnten. Es leider aber nicht tun.

Bankberatung an ihren Grenzen

Tatsächlich sind es aber nicht nur die Anleger, welche die Dinge in ihrer kleinen Welt etwas vereinfachen. Auch Bankberater – namentlich im Massengeschäft (Retailbanking) – verstehen von Anlageberatung meist lediglich soviel, wie ihnen die Bank als Verkaufsziele vorgibt. Das ist schade.

Aktueller Anlass für meine Tirade ist ein Beratungsgespräch der Deutschen Bank mit einer Kundin. Ich überspitze es einmal auf zwei Kernaussagen: Es ist wichtig, das geplante Investment von 60.000 EUR zu diversifizieren. Deshalb wurden zwei Fonds vorgeschlagen. Mindestens ebenso wichtig war, dass die Anlagen in der Heimwährung erfolgen, weshalb ein weltweit diversifizierter Mischfonds angeboten wurde.

Ganz kurz: Diversifikation ist wichtig

Natürlich sollte man darauf achten, sein Vermögen zu diversifizieren. Mit der Diversifikation schalten sie den unsystematischen Zufall aus. Etwa, dass ein Fondsmanager plötzlich Eheprobleme hat, sich dem Alkohol zuwendet und darum seinen Pflichten nicht mehr korrekt nachkommt. Wenn Sie mehrere Fonds im gleichen Segment haben, können Sie den Einfluss dieser Risiken praktisch auf null reduzieren. Allerdings reichen dazu zwei Fonds nicht aus, weil dies das Risiko nur halbiert. Besser als nichts, aber bei 60.000 EUR kann man das deutlich besser machen.

Gibt es ein unsystematisches Risiko, muss es auch ein systematisches geben. Das Wichtigste ist das Marktrisiko. Hier hilft es nicht, wenn man verschiedene gleiche Fonds zeichnet. Hier muss man in unterschiedliche, möglichst voneinander unabhängige oder zumindest diametral unterschiedliche Märkte investieren, um das Risiko zu begrenzen. Ausschalten kann man es allerdings nicht, denn die verschiedenen Anlageklassen sind selten bis nie gegenläufig. Die Effekte können sich darum kaum ausgleichen.

Ausländer raus bei Kapitalanlagen?

Ich habe an dieser Stelle schon mehrfach darauf hingewiesen, dass deutsche Anleger sich zu sehr auf Deutsche Werte konzentrieren, wenn es um Kapitalanlagen geht. Wer auf „Made in Germany“ vertraut, investiert auch in Germany.

In dieser Beziehung unterscheiden sich übrigens Deutsche nicht von Franzosen, Engländern, Amerikanern, etc. Ich würde gerne glauben, dass das Ganze damit zu tun hat, dass man Dingen die man kennt mehr vertraut. Ich denke aber, dass die aktuellen politischen Geschehnisse zeigen, dass es etwas damit zu tun hat, dass Menschen dazu neigen die eigene Heimat und das eigene Volk zu überhöhen.*

Den Hinweis, dass eine solche Denke dumm ist, kann ich mir sparen. Er wird eh nicht gehört.


Die TWC Consulting GmbH und der Fremdenhass

Wenn wir schon einen Beitrag mit „Ausländer raus!“ betiteln, nutzen wir die Gelegenheit gleich zu einem klaren Statement zum Thema Fremdenhass:

Die TWC Consulting GmbH steht für eine weltoffene und liberale Gesellschaft. Wir lieben Menschen, ungeachtet ihrer Nationalität, Rasse, Religion, Geschlecht, sexueller Ausrichtung oder sonstigen bedeutungslosen Unterscheidungen. Für uns gibt es keine Menschen zweite Klasse. Darum engagieren wir uns aktiv dafür, dass wir in einer für alle Menschen funktionierenden Gesellschaft leben können.

Bei Fremdenhass und Homophobie kennen wir deshalb keine Kompromisse. Weder, wenn es darum geht, Geld zu verdienen, noch das eigene Geld auszugeben.


Bei Geld sollte die Heimatliebe aufhören

Trotzdem: Die Erfahrung zeigt, dass auch andere Länder Firmen mit erfolgreichen Geschäftsmodellen haben. Und weil es bei einer Aktienanlage nicht um einen Vertrauensbeweis in die eigene Heimat geht, sollte man sein Geld dort anlegen, wo am meisten Rendite zu erwarten ist. Und das ist, nicht immer, aber leider immer öfter, bei ausländischen Firmen der Fall. Etwa, wenn diese aufgrund ihres Heimatmarktes (Stichwort China) oder eines dynamischen Bevölkerungswachstums (Stichwort China) zweifelsfreie Trümpfe in den Händen halten.

Wer diese Tatsachen ignoriert und bei der Kapitalanlage konsequent auf „Ausländer raus!“ baut, beschränkt im besten Fall seine Renditechancen.

Fondsmanager wissen das natürlich. Wenn sie also nicht gerade einen rein deutschen Aktienfonds verwalten, werden Sie sich sehr genau überlegen, wo sie die Kundengelder anlegen. Deutsche Aktien haben dann vielleicht einen Anteil von 10 – 20 % am Portfolio.

Irreführende Fondswährung

Es kommt regelmäßig vor, dass unbedarften Privatanlegern vorgegaukelt wird, man lege sein Geld in EUR an, obwohl der Fonds (oder eine andere Form der kollektiven Geldanlage) international diversifiziert ist. Mein aktuelles Beispiel einer Anlegerin steht da exemplarisch und ist keinesfalls als Einzelfall zu sehen.

Das ist einfach nur falsch!

Mehr Zins - nicht brutto sondern netto nach Kosten

Beispiel einer attraktiven Anlage, welche zwar in EUR gezeichnet ist. Die eigentliche Anlage erfolgt aber in Großbritannien.

Die Buchhaltungswährung sagt gar nichts aus über das Währungsrisiko

Die Fondswährung sagt nichts, aber auch gar nichts darüber aus, welche Währung für den Fonds maßgebend ist. Ein Fonds wird nicht alleine dadurch vertrauenswürdiger, dass er in EUR, statt in $ abrechnet. Denn wie das Wort „abrechnet“ schon sagt, geht es hier lediglich um die Frage, in welcher Währung die Buchhaltung geführt wird. Die einzelnen Werte sind trotzdem in EUR, $, £ oder Peso nominiert. Es ist entweder Betrug, eine versuchte Täuschung oder einfach nur eine einklagbare Fehlberatung, wenn ein Bankberater etwas anderes sagt (oder diese Tatsache verschweigt).

Nun gut, bei der Deutschen Bank hat man ja mit Betrug und Täuschung große Erfahrung. Allerdings schenken sich andere Bankhäuser da rein gar nichts.

Daniel S. Batt
eidg. dipl. Finanzplaner FA (FH)
Geschäftsführer

 

P.S. Der Erfolg der deutschen Industrie basiert zum größten Teil auf ihrer starken Exportkraft. Viele dieser Firmen haben deshalb nicht nur Handelsvertretungen im Ausland, sondern auch wichtige Produktionsstandorte. Entsprechend abhängig sind sie denn auch von der Entwicklung der jeweiligen Fremdwährung.

Die meisten Unternehmen im DAX sind deshalb nichts anderes als ein internationaler Branchenfonds. Wenngleich mit einem hohen unsystematischen Risiko. Die Kombination von „Ausländer raus!“ und deutschen Großkonzernen ist darum naiv.

*Bei Direktanlagen kann es sehr wohl Gründe geben, weshalb man auf „Ausländer raus!“ setzt. Etwa dann, wenn man seine Anlagen selber verwaltet und deshalb darauf angewiesen ist, die Entwicklung einer Firma möglichst intensiv beobachten zu können. So etwas stellt sich bei einem chinesischen Betonhersteller naturgemäß eher schwierig dar.

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