Andauerndes Zinstief bringt Rentenversicherungen in Bedrängnis

Rentenversicherung im Anlage Dilemma

Wer ein gewisses Alter erreicht hat, schätzt es sehr, möchte sich nicht jeden Tag mit seiner Kapitalanlage auseinandersetzen. Sicher, es gibt einige – nenne wir sie einmal etwas salopp, ohne despektierlich zu sein – Freaks, denen es Spaß macht jeden Tag einen Soll / Ist Vergleich bei den Anlagen vorzunehmen. In ihrer großen Mehrheit sind die Bundesbürger jedoch eher Anlagemuffel und diese Eigenschaft verstärkt sich in der Regel mit zunehmendem Alter. Deutsche haben es gerne bequem. Gerade bei den Kapitalanlagen.

Die Rentenversicherung: das All-in-one-wonder

Gerade deshalb schätzen sie die Vorteile einer Rentenversicherung. Diese setzt sich aus zwei Teilen zusammen.

  • Einer Kapitalanlage – die verzinsliche Anlage der Einlage
  • Einer Versicherungsleistung – die Absicherung des Langlebigkeitsrisikos

Diese einfache Kombination von zwei elementaren Bedürfnissen hat die klassische Sofortrente zum wahrscheinlich beliebtesten Anlageinstrument der Generation 50+ gemacht. Hinter dem Sparbuch natürlich, doch das kann man nicht im Ernst als Anlage bezeichnen.

In jüngster Zeit – eigentlich schon seit bald 10 Jahren – hat des Deutschen liebstes (Anlage-)Kind allerdings seine Jünger etwas enttäuscht. Zunehmend enttäuscht. Und die Wachstumsrate der Enttäuschten hat ihren Höhepunkt noch nicht erreicht.

Angefangen hat das Ganze eigentlich ganz harmlos. Irgendwann in zu Beginn dieses Jahrtausends haben die Prognosen bezüglich der erwarteten Überschussrente dem Vergleich mit der Realität nicht mehr standgehalten. Plötzlich sind die Überschüsse innerhalb der letzten zwei Jahre massiv gefallen.

Später ist der Fall eingetreten, dass laufende Überschussrenten gekürzt wurden. Ein Umstand, welcher über Jahrzehnte undenkbar war.

Inzwischen müssen die meisten Versicherten damit rechnen, dass ihre Überschussrenten gegen null abschmelzen werden, denn das Gesamtsystem „private Rentenversicherung“ ist arg in Schieflage gekommen.

Die Rentenversicherung ist in ihrer Sicherheit erstarrt.

Nein, natürlich sind die vertraglichen Ansprüche der Versicherten nicht in Gefahr. Dafür sorgen die restriktiven Anlagevorschriften des Staates. Dieser schreibt den Versicherungsunternehmen nämlich ziemlich genau vor, was sie bei der Verwaltung des Ihnen anvertrauten Vermögens genau zu beachten haben. So müssen die Gesellschaften zum Beispiel jederzeit fähig sein, die an sie gestellten Ansprüche sicherzustellen. Das geht natürlich nur, wenn das benötigte Geld auf dem Sparbuch liegt, wo es jederzeit liquidiert werden kann. Natürlich haben Versicherungen kein Sparbuch. Bei ihnen übernehmen Staatsanleihen, welche mindestens ebenso sicher und flüssig sind wie die Sichtkonten bei den Banken. Nur rentabler.

Zumindest waren sie das einmal. Also, sicher und rentabler. Wie wir alle schmerzhaft erfahren haben, gibt es auch bei Staatsanleihen keine absolute Sicherheit und rentabel sind sie mit Sicherheit auch nicht mehr. Wer dem Bund aktuell Geld leiht, muss froh sein, wenn er diesem nicht noch Geld zahlen muss, damit das ausgeliehene Geld wieder zurückkommt. Und das ist kein Witz.

Seit dem so ist, haben die Versicherungsunternehmen ein Problem: Weil es keine rentablen, sicheren Anlagen mehr gibt, welche zur Deckung der eingegangenen Verpflichtungen benötigt werden, ist die Rendite des sogenannten Deckungsstockes – also der Kern der Kapitalsicherung der Lebens- und Rentenversicherung – in sich zusammengefallen. Schlimmer noch: Weil kaum mehr Zinsen generiert werden, können diese erwarteten Zinsen der Zukunft zur Deckung der Schulden nicht mehr angerechnet werden. Es muss also ein viel höherer Anteil des Kapitals in diesen Deckungsstock gelegt werden, was die Gesamtrendite der Gesellschaft gnadenlos in Richtung null prügelt.

Dumm gelaufen. An diese Möglichkeit hat der Gesetzgeber nicht gedacht, als er das Deckungsstock-Konzept gesetzlich festgeschrieben hat. Es war einfach undenkbar, dass während einer Dekade kaum Zinserträge mehr anfallen würden. Zumindest hat die Politik es für unmöglich gehalten.

Die Rentenversicherung unterliegt den normalen physikalischen Gesetzen

Dieses Phänomen, dass wegen der Absicherung der Ansprüche die Rendite auf dem Nullpunkt festgefroren wird, kennen wir aus anderen Bereichen der kollektiven Vermögensverwaltung. Fonds mit einem extrem durchdachten Sicherungskonzept scheitern regelmäßig an diesem Problem. Fallen die Renditen, bzw. drohen die Anlagen in die Verlustzone zu fallen, greift der Sicherungsmechanismus ein und die Rendite ist für 10 bis 20 Jahr unwiederbringlich futsch. Cash Lock nennt sich dieses Problem und ist ziemlich bitter für die Betroffenen, denn es trifft immer ausgerechnet diejenigen Kapitalanleger, welche eigentlich Sicherheit suchen …

Inhaber von Sofortrenten und aufgeschobenen Renten befinden sich aktuell in einer Vorstufe zum Cash Lock. Vorstufe deshalb, weil es noch massiv schlimmer kommen wird. Spätestens, wenn die Zinsen wieder ansteigen, wird das Land von einem unerträglichen Wehklagen heimgesucht werden und die Zahl jener, denen das Geld trotz eifriger Sparbemühungen im Alter nicht mehr zum Leben reichen wird, dürfte massiv zunehmen.

Was kann man gegen die vertrackte Situation tun?

  1. Menschen mit einer laufenden Rentenversicherung kann an dieser Stelle nur ein Punkt Trost spenden: Die Überschüsse mögen am Boden sein, aber die Inflation ist es zum Glück auch. Damit hält sich der Schaden im Moment – verglichen mit den realistischen Erwartungen – in einem engen Rahmen. Bitter wird es erst, wenn die Inflation steigt und die Renten sich nicht bewegen. So oder so: In den allermeisten Fällen lässt sich bei einer klassischen Rentenversicherung in der Auszahlungsphase nichts mehr machen. Wenn man einmal von Hoffen und Beten absieht.
  2. Wessen (aufgeschobene) Privatrente sich noch in der Aufschubphase befindet, die Rente also noch nicht zur Auszahlung gekommen ist, sollte sich entweder einen Rückkauf oder – wo vorhanden – die Nutzung der Kapitaloption überlegen. Doch dann stellt sich die Frage, was mit dem angesammelten Kapital geschehen soll, bzw. wie eine vorhandene Einkommenslücke im Alter abgedeckt werden soll. Doch dazu gibt es eine Lösung im folgenden Abschnitt.
  3. Wer aktuell vor der Frage steht, was er mit seinem vorhandenen Kapital machen soll, sollte von der Idee einer klassischen Rentenversicherung, wie sie schon die Urgroßmutter, die Großmutter und die Mutter abgeschlossen haben (die maskuline Variante passt natürlich genau so) besser Abstand nehmen. Nicht nur, dass die aktuellen Garantiezinsen (und damit die Rentenbasis) am Boden sind, keine Überschüsse erwirtschaftet werden (und vielleicht niemals wieder erwirtschaftet werden), mit dem Neugeld der frisch Versicherten finanzieren die Gesellschaften de facto die hohen Garantiezinsen der Vergangenheit. Keine schöne Aussicht.

Fazit und Maßnahmen-Katalog

Bei einer aufgeschobenen Rentenversicherung sollte geprüft werden, ob eine Kapitaloption besteht. Ist diese vorhanden, sollte diese unbedingt gezogen werden.

Bei Privatrenten ohne Kapitaloption ist zu prüfen, ob ein Rückkauf möglich ist, bzw. Sinn ergibt. Bei einer solchen Betrachtung sind verschiedene Aspekte wichtig:

  • Mann / Frau – ist es ein Unisex-Tarif oder ein Bisex-Tarif
  • Versicherungsbeginn / aktuelle Alter der Versicherten
  • Steuerliche Situation
  • Laufzeit des Vertrages
  • Restlaufzeit des Vertrags
  • Überschüsse (vorhandene, mögliche Schlussüberschüsse)
  • Finanzielle Gesamtsituation der Gesellschaft
  • Anlageerfolg der Gesellschaft
  • Kostensatz der Gesellschaft
  • Aktueller Rückkaufswert vs. Rendite auf Restlaufzeit

Unabhängig ob der Anleger nun die Kapitaloption zieht, einen Rückkauf vornimmt oder über Kapital verfügt, welches eigentlich für eine Rente gedacht war, stellt sich nun die Frage nach Anlagealternativen. Es gibt sie und sogar Ausgezeichnete. Idealerweise befriedigen sie sogar – und da schließt sich der Kreis zum Beginn – das Bedürfnis nach einer Einheitslösung: die Kombination einer sicheren Einkommensergänzung (Garantierente) und einer attraktiven Vermögensverwaltung um, welche man sich selber nicht zu kümmern braucht.

Der professionelle Lösungsratgeber

Wenn Sie im Besitze einer Rentenversicherung sind, welche sich noch nicht in der Auszahlungsphase befindet, sollten Sie auf jeden Fall handeln, bzw. Ihre Situation prüfen. Wenn Sie sich dazu nicht in der Lage fühlen, stehen wir Ihnen von der TWC Consulting GmbH mit unseren erfahrenen Finanzplanern neutral zur Seite. Gegen eine pauschale Entschädigung übernehmen wir alle notwendigen Abklärungen. Professionell, fundiert und mit einer Beratungsgarantie.

Wenn Sie sich für eine alternative Form der Absicherung des Langlebigkeitsrisikos interessieren, dann besuchen Sie folgende Seiten:

Einführung in die Funktionsweise einer Garantierente

Beispiel einer garantierten Sofortrente gegen Einmalbeitrag mit Schwerpunkt auf eine möglichst hohe Rentengarantie

Beispiel einer garantierten Sofortrente gegen Einmalbeitrag mit Schwerpunkt auf eine maximale Flexibilität.

Beispiel einer aufgeschobenen Garantierente gegen Einmalbeitrag mit dem Fokus auf eine möglichst hohe Garantierente

Beispiel einer aufgeschobenen Privatrente mit dem Fokus auf eine möglichst hohe Flexibilität

Daniel S. Batt
Eidg. Finanzplaner mit FA (FH)
Geschäftführer

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