Aktienquote im Alter

Aktienquote im Alter – Verluste garantiert

Manche Weisheiten sind einfach nicht tot zu bekommen. Etwa, dass man im Alter keine Aktien haben könne. Allerdings zählen die Deutschen ja sowieso eher zu den Aktienmuffeln und ihr Geld lieber auf Bankkonten verrotten lassen, als sich an der Wertschöpfung ihrer Wirtschaft zu beteiligen. Nichtsdestotrotz wollen wir uns in diesem Betrag mit der Frage beschäftigen, ob man die Aktienquote von Rentner tatsächlich gegen Null fahren sollte.

Wer Aktien hält ist ein Spekulant. Wirklich?

Wer in Deutschland in Aktien investiert, gilt in weiten Kreisen der Bevölkerung per se als Spekulant. Und ein Spekulant zu sein ist moralisch gesehen eher schlimmer als Steuern zu hinterziehen. Darum scheuen viele Bundesbürger wohl davor, zumindest einen Teil ihres Vermögens in Aktien anzulegen. Wobei, einen kleinen Bruch dieser Tradition gab es zu Beginn des Jahrtausends, als plötzlich alle an den wundersamen Gewinnen an der Börse teilhaben wollten. Das war allerdings tatsächlich eine Spekulationswelle und so mancher Privatanleger dürfte aus der Zeit dieses Aktienrausches noch eine nette Erinnerung in seinem Portfolio halten: die „Volksaktie“ der Telekom. (Auch so eine Weisheit, welche sich hartnäckig hält: Bei Aktien muss man Geduld haben und Verluste aussitzen können…)

Zurück zum Thema dieses Beitrages: Welche Aktienquote verträgt ein Portfolio im Allgemeinen und das von älteren Menschen im speziellen.

Die Faustregel für eine „vernünftige“ Aktienquote im Alter

Es gibt dazu in Beraterkreisen eine wunderbar handliche Faustformel. Die Aktienquote sollte im Bereich von (in Prozenten ausgedrückt) 100 – Alter liegen. Daraus ergibt sich, dass man mit zunehmendem Alter immer weniger Aktien halten sollte.

Die Faustregel mag irgendwann einmal in grauer Vorzeit ihre Berechtigung gehabt haben. Sie ist jedoch inzwischen genauso verstaubt und falsch, wie die bereits erwähnte Weisheit von Kostolany.

Gehen Sie an die Börse und stecken Sie Ihr Geld in Aktien. Dazu kaufen Sie sich in einer Apotheke eine große Dosis Schlaftabletten. Nach vier Jahren wachen Sie als reicher Mann auf.

Womit ich nichts über Kostolany gesagt haben will. Der Mann war ein edler Feingeist, ein Gentleman der das Wesen von Menschen wohl erkannte und präzise beschreiben konnte. Doch Feingeist und Tradition haben in der heutigen Finanzwelt keinen Platz mehr. Die Regeln der Vergangenheit sind Vergangenheit. Unwiderruflich tot.

Eine Faustregel aus grauer Vorzeit: Alt, verstaubt und gefährlich überholt

Zurück zur Regel mit der Aktienquote: Diese wurde aus verschiedenen Gründen ad absurdum gestellt. Zum einen, weil Menschen sehr viel älter werden, als zur Zeit ihrer Entstehung. Wer heute mit 65 darauf verzichtet in Aktien anzulegen und das Glück oder Pech hat noch weitere 40 Jahre zu leben, wird fast automatisch verarmen. Und das meine ich keineswegs sinnbildlich. Mag sein, dass die statistisch ausgewiesene Teuerung sich auf einem historischen Tiefpunkt befindet. Doch der Eindruck täuscht: Die für Senioren maßgebenden Kosten für Gesundheit, Pflege und dergleichen explodieren. Gleichzeitig müssen immer größere Eigenbeiträge geleistet werden, weil der Staat und seine Sozialwerke sich aus diesem Bereich davonstehlen.

Zum andern gibt es für konservative Anlagen keinen Zins. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn die Teuerung tatsächlich bei null liegen würde und die Risiken dieser Anlagen verschwindend klein wären. Sind sie aber nicht:

Die Finanzkrise, bzw. die Euro-Schuldenkrise haben uns einprägend deutlich gezeigt, dass man bei Staatspapieren nicht mehr absolut sicher sein kann, dass sie zurückbezahlt werden.

Die rekordtiefen Zinsen führen dazu, dass wir Rentenpapiere und Anleihen nicht mehr als sicher bezeichnen können. Zumindest nicht, was deren Kurswert anbetrifft. Sollten die Zinsen dereinst einmal steigen, wird es in Bezug auf die Kurse ein unerkanntes Massaker geben, welches einem Börsencrash in nichts, aber auch gar nichts nachstehen wird.

Die billigen Zinsen haben dazu geführt, dass sich viele Anleger in Unkenntnis der tatsächlichen Risiken in High Yield Bonds gestürzt haben, um doch noch so etwas wie Zins zu erhalten. Der Begriff High Yield Bonds ist jedoch nichts Anderes wie ein Marketingbegriff für Junk Bonds, also eine Ansammlung von Schrott. Die Finanzkrise von 2008-2009 lassen grüßen.

Die tiefen Zinsen haben den Immobilienmarkt aufgebläht. Mit Renditen hat das schon länger nichts mehr zu tun, sondern nur mit dem Glauben, die Preise würden immer weiter steigen. Nun gut, die Amerikaner haben es uns ja vorgeführt wohin das führt. In ein Desaster. Wer heute noch in den Immobilienmarkt investiert und dafür Hypotheken aufnimmt, ist ein Spekulant der übelsten Sorte, arbeitet er doch oft mit einem Hebel, von welchem selbst Hedge-Fonds träumen.

Die Banken als sicherer Hort haben ausgedient. Es ist kein Zufall, dass deren Aktienkurse sich in einem Tiefenrausch befinden. Es ist nicht einmal in Ansatz vorstellbar, was geschehen soll, wenn die Deutsche Bank an die Wand fährt. Es ist kein Geld mehr da, um diese Pleite aufzufangen.

Lebens– und Rentenversicherungen gehen an der Krücke, weil sie mehr Zinsen versprochen haben (Garantiezins, Rechnungszins), als sie am Markt erwirtschaften können. Sie hängen nicht zuletzt deshalb am Tropf, weil sie vorwiegend in Staatsanleihen anlegen. Insofern leiden Sie an denselben Problemen, wie Privatanleger. Nur haben diese keine Zinsverpflichtungen zu bedienen…

Risiko lohnt sich. Aber nicht immer.

Ich will damit konservative Anlagen nicht auf dieselbe Ebene stellen wie eine Investition in Aktien. Worauf ich hinaus will: Bei Aktien wird man für das zweifellos vorhandene Risiko entschädigt. Das Chance / Risikoverhältnis stimmt. Bei konservativen Anlagen gilt dies seit Jahren nicht mehr. Weshalb also ist die Aktienquote in Deutschland so niedrig?

Über die Gründe für die tiefen Aktiengründe könnte ich ein ganzes Buch schreiben. Aber darum geht es hier gar nicht. Es geht darum, dass unsinnige Faustformeln wie die von der sinnvollen Aktienquote für Rentner nur deshalb angewendet werden, weil Banken und Vermögensverwalter sich nicht mit individueller Beratung beschäftigen wollen, sondern lieber auf Raster zurückgreifen, welche sie von der Beratungshaftung befreien sollen.

Faustregel zu Aktienquote dient nur dem Berater

Diese Faustformel (100 – Alter) findet sich deshalb in verschiedenen Beratungstools. Wird sie missachtet, bekommt der Berater eine Warnung. Warnung bedeutet für den Berater Ärger und Ärger will er keinen haben.

Also: Wie hoch die Aktienquote eines Menschen sein darf kann nicht pauschal gesagt werden. Eine Faustformel hilft da überhaupt nichts, sondern sie schafft neue Probleme. Allerdings nicht für den Berater, sondern für die Anleger. Nämlich dann, wenn man es versäumt sein Vorsorgekapital über die verbleibenden 40 Jahre richtig anzulegen.

Darum: Sprechen Sie mit Ihrem Berater (gerne auch mit uns) darüber, wie Sie Ihr Geld auch im Alter sicher und rentabel anlegen können. Es gibt auch mit 80 noch hervorragende Möglichkeiten, sich an der Wertschöpfung einer Volkswirtschaft direkt zu beteiligen, ohne damit gleich alles zu riskieren. Etwa durch Variable Annuities (Garantierenten), in welchem zwar das Vermögen Wertschwankungen ausgesetzt wird, jedoch das Hauptziel, sich eine möglichst hohe und stabile Rente zu sichern, lebenslang garantiert und erhalten bleibt.

Ein anschauliches Beispiel fürs bessere Verständnis

Um Ihnen zu veranschaulichen, weshalb ich soviel Worte zum Thema Aktienquote im Alter verschwende, habe ich Ihnen ein anschauliches Beispiel gerechnet. Eines, welches Ihnen zeigt, dass wir hier nicht von einer lässlichen Lappalie sprechen, sondern von einer dramatischen Fehlbeurteilung sogenannter Experten.

Das Rechenmodell zeigt Ihnen den Verlauf einer Vermögensrente. Einmal aus der Sicht eines absoluten Aktienverweigerers und einmal aus der Perspektive eines Anlegers, welcher bereit ist im Rahmen einer besonnenen Vermögensverwaltung Aktien einen angemessenen Platz einzuräumen.

In meinem Beispiel treibe ich die Optimierung keineswegs auf die Spitze. Ich lege lediglich jenen Teil des Vorsorgevermögens dynamisch an, den ich für mindestens 14 (!) Jahre nicht brauche. Und das keinesfalls aggressiv, denn in meinem Modell erziele ich mit diesem Anlageteil lediglich eine Rendite von 5%.

Lassen Sie sich von der Anlagensumme nicht irritieren. 1,75 Millionen sind natürlich mehr als ein Durchschnittsbürger zu investieren hat. Für Unternehmer, Freiberufler und Selbständige, welche ihre Altersvorsorge selber organisieren müssen, ist dies durchaus eine realistische Dimension, sollten sie ihren gewohnten Lebensstil auch nur im Ansatz weiter führen wollen. Selbstverständlich funktioniert das Prinzip aber auch mit deutlich niedrigeren Summen.

Wer verzichtet schon freiwillig auf 50% Rente?

Was wir sehen, dürfe Ihre Erwartungen deutlich übertreffen. Mit einer angemessen bewirtschafteten Vermögensrente erhöht sich der mögliche Jahresbezug um sage und schreibe 50%! Sie können es drehen und wenden wie Sie wollen. Eine Steigerung von 50.000 Euro auf 75.000 EUR führt nicht nur zu einer deutlich höheren Lebensqualität im Alter. Die Steigerung sichert unter Umständen auch Ihr Leben, denn mit der tieferen Vermögensrente wird sich die PKV auf Dauer nicht finanzieren lassen. Und was ist Ihre gefühlte Sicherheit in Vermögensfragen wert, wenn Sie im Bedarfsfall auf den optimalen Schutz einer privaten Krankenversicherung verzichten müssen, weil sie dummerweise aus finanziellen Überlegungen in den Basistarif wechseln mussten?

Die Bereitschaft auch in Aktien zu investieren kann also den Unterschied machen zwischen einem Lebensabend ohne finanzielle Sorgen und einem Leben, geprägt von wirtschaftlichen Zwängen und Nöten (mit allen denkbaren Folgen auch in Bezug auf die medizinische Versorgung).

Darum gilt: Aktien gehen auch im Alter!

Wer im Alter von 65 Jahren noch in der Lage ist, einen Teil seines Vermögens für 10 Jahre mehr oder weniger fest anzulegen, sollte das tun. Wer über kein nennenswertes Vermögen verfügt und bereits in den ersten Jahren im Ruhestand um jeden Euro kämpfen muss, legt selbstverständlich keinen Cent in Aktien an. Aber das ist keine Frage des Alters, sondern eine Frage der Vernunft.

Wenn Sie nicht wissen, ob bei Ihnen eine längere Anlagedauer möglich ist, dann lassen Sie sich beraten. Wenn Sie unbedingt wollen können Sie das gerne bei Ihrer Bank oder der Sparkasse machen. Muss aber nicht sein, denn die dort angestellten Produktberater haben für solche Rechenmodelle in der Regel keine Zeit. Aus diesem Grund basieren deren Analysen meist auf hübsch aufbereiteten Allgemeinplätzen ohne individuelle Relevanz. Solche Analysen taugen in der Regel nur als Verkaufshilfe.

Wenn Sie ihre Ruhestandsplanung auf solide Beine stellen wollen, muss sich Ihr Berater richtig für Sie ins Zeug legen und eine solide Pensionsplanung vornehmen. Nur so ist es möglich die individuelle Risikofähigkeit (= die Fähigkeit längerfristig Kapital anzulegen) festzustellen. Dann muss er sich für die Festlegung der zulässigen Aktienquote nicht auf Faustformeln berufen, sondern kann Ihnen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit voraussagen, welche Anlagezyklen ihr Vermögen in den kommenden Jahrzehnten durchlaufen wird.

Gute Beratung bringt die besten Renditen

Wahrscheinlich kostet Sie eine solche Beratung Geld. Wahrscheinlich ist sie nicht billig. Aber die Aussicht, dabei über viele Jahre deutlich höhere Altersbezüge machen zu können, rechtfertigt diese kleine Investition zweifellos.

Wenn Sie noch keinen ausgewiesen Finanzplaner an ihrer Seite wissen, dann melden Sie sich doch einfach bei uns. Unsere Ruhestandsplanung basiert auf einer dynamischen Betrachtung (berücksichtigt also zum Beispiel veränderliche Steuersituationen über die Zeit), was in der Branche aus Zeit- und Kostengründen leider die absolute Ausnahme darstellt. Zudem dürfen wir uns wohl ohne Überheblichkeit dafür rühmen, im Bereich der Garantierenten über ein außerordentliches Know how zu verfügen. Im Zusammenhang mit der Forderung nach einer angemessenen Aktienquote im Alter ist das von einer besonderen Bedeutung, denn Garantierenten ermöglichen es, die Sicherheit einer klassischen Rentenversicherung, mit der Flexibilität und den Renditen einer Vermögensrente zu kombinieren. Womit ein weiterer Widerspruch in Bezug auf die Aktienfähigkeit von Rentnern aufgelöst wäre.

Daniel S. Batt
Finanzplaner mit eidg. FA (FH)
Geschäftsführer

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